Esma Redzepova zu Gast in Wien Die Sängerin Esma Redzepova, heute eine der weltweit bekanntesten Vertreterinnen der Roma-Musik, genoss schon im damaligen Jugoslawien hohe Popularität. Geboren wurde sie 1943 in Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens.

Im Alter von zwölf Jahren gewann sie den ersten Preis in der beliebten jugoslawischen TV-Show “Das Mikrophon gehört Ihnen” (ein Vorgänger der heutigen “Starmanias”). Im Laufe ihrer Karriere hat sie mehr als 8.000 Konzerte gegeben.

Humanitäres Engagement
Daneben hat sich Redzepova stets für diverse humanitäre Anliegen engagiert – insbesondere für Kinder. Selbst kinderlos, hat sie mit ihrem vor zwei Jahren verstorbenen Mann an die 50 Waisen- und Straßenkinder adoptiert und ihnen eine musikalische Ausbildung ermöglicht. Auch die

Redzepovas Auftritte haben oft etwas von einem orientalischen Märchen an sich.

Redzepovas Auftritte haben oft etwas von einem orientalischen Märchen an sich.

Musiker ihrer Band sind größtenteils ihre “Söhne”. Sie wurde für ihr Engagement unter anderem mit dem Unicef Award geehrt und ist von ihrem Heimatland Mazedonien bereits mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Esma Redzepova sang immer schon Volksmusik und diese hatte im ehemaligen Jugoslawien ein breites Publikum. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die jugoslawische Gesellschaft noch stark ländlich geprägt, mehr als zwei Drittel der Bevölkerung waren in der Landwirtschaft beschäftigt. Doch auch die rasche Industrialisierung in den folgenden Jahren änderte den volkstümlichen Musikgeschmack der Jugoslawen und Jugoslawinnen nicht wesentlich. Lediglich in den großen Städten begann sich die junge Generation für “westliche” Musik, wie Jazz und Elvis Presley, zu begeistern und es entstanden auch eigene jugoslawische Rock-’n'-Roll-Bands. Esma Redzepova war mit ihrer mazedonischen Volks- und Roma-Musik jedoch über die musikalischen Grenzen hinweg beliebt und genoss Starstatus im ganzen Land.

Revival der Volksmusik
Nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren des 20. Jahrhunderts veränderte sich auch die Musikszene. Der aufflackernde Nationalismus führte zu einem Revival der Volksmusik. Diese blieb zunächst aber innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen. Erst mit dem Aufkommen des sogenannten Turbofolks, einer neuen von der Volksmusik inspirierten Variante, die schnell, energetisch und tanzbar ist, eroberte die Balkanmusik schließlich die Clubs und Konzertbühnen in ganz Europa.

Esma Redzepova wiederum gelang es, mit ihrer traditionellen Musik zur wohl bekanntesten Roma-Sängerin überhaupt zu werden. Zu Gute kam ihr dabei sicherlich die Popularität der sogenannten Weltmusik, sowie das steigende Interesse des Westens an bedrohten Volksgruppen – oder zumindest an deren Musik.

Die Darstellung der Roma wird dabei stark romantisiert und hat freilich wenig mit der tristen Lebensrealität dieser Bevölkerungsgruppe zu tun. Man singt und tanzt und versucht, in den lebendigen Rhythmen jene Lebenslust zu finden, die in der “zivilisierten” Gesellschaft angeblich fast verschwunden ist.

Balkan Fever
Mit Balkan Fever betiteln die Organisatoren des Festivals ihre Veranstaltungsreihe, die heuer bereits zum sechsten Mal in Wien stattfindet. Die Organisatoren wollen dabei Südosteuropa in seinen schillerndsten und unerwartetsten Klangfarben präsentieren. World Music, Jazz, Rock, Underground und Musik, für die es – angeblich – noch keine Schubladen gibt. An fünf Wiener Veranstaltungsorten wird das Balkan Fever heuer vier Wochen lang grassieren: ein Konzertreigen, der die Grenzen zwischen Okzident und Orient der Vergangenheit angehören lässt und Ekstase mit Niveau versöhnt, sagen die Veranstalter. Natürlich ließe sich darüber diskutieren, inwiefern hier nicht doch auch wieder eine “Schubladisierung” betrieben wird. Andererseits wären wir ohne dieses Festival nicht in der Lage, einige der interessantesten Musiker und Musikerinnen aus dem Balkan-Raum hier in Wien live zu hören. Mit ihrem Konzert am 17. April 2009 wird Esma Redzepova mit ihrer Band aus Mazedonien das “Fever” eröffnen. Ihr Konzert trägt den Titel “Queen Esma is back!”. Doch eigentlich passt der nicht so ganz, denn eigentlich war Queen Esma ja niemals weg. Bleibt abzuwarten, wie viel “Fever” sie beim Wiener Publikum entfacht.

Text: Radovan Grahovac

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