Im Alter von 76 Jahren ist am 5. Februar der erste deutsche Botschafter für Mazedonien, Dr. Hans Lothar Steppan nach einer kurzen Krankheitsphase verstorben. Hans-Lothar Steppan wurde 1933 in Ostpreußen geboren. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Fakultät für Kultur- und Staatswissenschaften der Technischen Hochschule Darmstadt, wo er ab 1963 am Institut für Wirtschaftspolitik als wissenschaftlicher Assistent beschäftigt war. Hier erfolgte auch die Promotion. 1965 trat der Autor in den Auswärtigen Dienst ein. Die Stationen seiner Auslandsposten umfassten Frankreich, Guinea, Finnland und Jugoslawien; als Botschafter war Steppan in Katar, im Tschad und in Mazedonien tätig.

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Nach seiner Zeit als Botschafter in Mazedonien hatte sich Steppan intensiv für die Anerkennung Mazedoniens eingesetzt.  In seinem Buch “Der makedonische Knoten” hatte er zahlreiche Dokumente aus den Archiven des Bundesaußenministeriums zusammengetragen und kommentiert. Er war ein Kämpfer für die Wahrheit zu Makedonien und dem makedonischen Volk.

2007  wurde Ihm die Medaille “Blazhe Koneski” der Makedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste (MANU) verliehen. 2008 erhielt er den Preis “Geistiger Kämpfer Mazedoniens”

In seinen zahlreichen Interviews werden uns einige Kommentare und Anmerkungen in unserem Gedächtnis verbleiben:

“Die Makedonier haben das größte Recht zur Verwendung des eigenen Namens Makedonien”

“Griechenland muss eine Verantwortung für Recht und Wahrheit haben”

“Viele Staaten, darunter auch die USA, erkennen Ihren verfassungsmäßigen Namen an. Dies zeigt,  dass die amerikanischen Politiker und Wissenschaftler ihre Archive bzgl. der makedonischen Geschichte geprüft haben und zu den einzigen Schluss gekommen sind, zu dem man kommen kann. Die Welt, nach einem besseren Wissensstand über die Wahrheit in Bezug auf Makedonien, haben praktisch die Verpflichtung, das demokratische Makedonien zu unterstützen, intensiv und effizient.”

Einige Bemerkungen aus dem Vorwort seines Buches “Der makedonische Knoten”:

Das heutige mazedonische Volk lebt seit der slawischen Besiedlung Südost-Europas im 6. und 7. Jahrhundert auf dem Balkan. Seine Geschichte wurde nach dem Berliner Kongress 1878 verdrängt und geriet in Vergessenheit. Auf der Basis unveröffentlichter Akten des Deutschen Reiches wird die eigene ununterbrochene Identität der Mazedonier nachgewiesen. Die Berichte der deutschen Missionen beweisen, dass die noch heute erhobenen Ansprüche der Nachbarstaaten auf den mazedonischen Namen, auf die Sprache und das Territorium aus der Zeit und dem Geist des Imperialismus stammen. Gleichzeitig enthüllen die Akten, wie eng die Vorgänge um den Balkanbund mit den Intrigen der Entente zur Auslösung des Ersten Weltkriegs zusammenhingen.

In dieser Arbeit wird auf der Basis unveröffentlichter Aktenbestände des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes zum Thema „Balkanbund” die Eigenständigkeit des mazedonischen1 Volkes nachgewiesen, – nicht eines bulgarisch-mazedonischen, nicht eines griechisch-mazedonischen, nicht serbisch- und nicht albanisch-mazedonischen, sondern des eigenständigen mazedonischen Volkes. Im Zentrum steht die Geschichte Mazedoniens unter der türkischen Herrschaft in der Zeit zwischen dem Berliner Kongress und dem Ersten Weltkrieg, wie sie sich in den Berichten der Auslandsvertretungen des Deutschen Reiches aus den Hauptstädten der Großmächte und der Balkanstaaten niedergeschlagen hat.

Nach der Einführung wird in den Kapiteln 2-4 die historische Entwicklung, die zur Gründung des Balkanbundes führte, seit etwa 1878 – getrennt nach geopolitischen Räumen – beobachtet, bis die Fäden in dem alle Länder umfassenden Kapitel 5 zusammenlaufen und gemeinsam verfolgt werden: bis zur Gründung des Balkanbundes, bis zu den Balkankriegen 1912/13 und teilweise bis 1914.   Es wird den Fragen nachgegangen, welche Erkenntnisse aus den Dokumenten über die Politik der Nachbarstaaten und der europäischen Mächte gegenüber den Mazedoniern und ihrer Identität hervorgehen. Diese Fragen stellen sich wieder, seit die vier Nachbarn nach der historischen Wende 1989/90 dem mazedonischen Volk und seinem Staat, der seit 1991 unabhängigen Republik Mazedonien, die Existenzberechtigung streitig machen.

Im Rahmen der Untersuchung der Motive und Hintergründe der Politik der Balkankönigreiche und der Großmächte gegenüber Mazedonien ergab sich allmählich – sozusagen als Nebenprodukt – die überraschend hohe Bedeutung des Balkanbundes als Instrument der Entente-Mächte bei der Inszenierung des Ersten Weltkriegs: die Entente hatte Mazedonien den Balkanstaaten geopfert, um diese zum Beitritt in die Entente – und somit zum Eintritt in den Weltkrieg – zu bewegen.

Darüber hinaus zeigte sich in einer entscheidenden Phase der deutsch-griechischen Beziehungen die unerwartet enge Verknüpfung der mazedonischen Frage mit der Geschichte des Deutschen Reiches.

Die Anregung zum Titel „Der mazedonische Knoten” stammt aus einem Artikel der Abendausgabe der österreichischen „Neuen Freien Presse” vom 10. November 1902, in dem der berichtende Journalist mit den Initialen R. L. den Inhalt eines Gesprächs mit dem Präsidenten eines Mazedonischen Befreiungskomitees, Stojan Michailovski, wiedergab. Letzterer befand sich auf einer Reise durch Europa, um „den Continent über die Lage in Macedonien aufzuklären.” Michailovski zitierte einen russischen General, der das aus dem Asienfeldzug Alexanders des Großen stammende geflügelte Wort vom „gordischen Knoten” in Bezug auf Mazedonien anwandte, indem er sagte: „Die Faust, die den macedonischen Knoten lösen wird, die werden Sie nicht daheim, sondern in Europa finden.” Der entsprechende Zeitungsausschnitt wurde damals als Anlage zum Bericht der Kaiserlichen Botschaft in Wien, Nr. 213 vom 11.11.1902, in einem Aktenband abgeheftet, der im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes unter der Registernummer R 13623 zu finden ist.2   Dieser auf fast mystische Weise tief in der Geschichte verwurzelte Begriff gibt nach Ansicht des Verfassers die Komplexität der Problematik um die heutige Republik Mazedonien anschaulich und treffend wieder – und wirkt zugleich erstaunlich aktuell.   Mit fast derselben Berechtigung hätte auch eine andere, ebenfalls griffige und gleichfalls sinngebende Überschrift gewählt werden können, nämlich: „Ein Kampf um Mazedonien”, denn um einen solchen handelte es sich, mit dem der Titel des berühmten Buchs von Felix Dahn („Ein Kampf um Rom”) abgewandelt worden wäre.

Quelle: Der makedonische Knoten (Dr. Steppan)