Noch immer herrscht zwischen einigen Staaten des Balkans keine Normalität. Beispiele hierfür sind Griechenland und die Republik Makedonien sowie Albanien und Serbien. Nationale und natürlich erst nationalistische Symbole können Anlass von schwerwiegende Auseinandersetzungen sein. So löste zum Beispiel das Zeigen der makedonischen Flagge mit dem antiken Stern von Vergina bei einem Spiel zwischen Schalke 04 und POAK Thessaloniki Tumulte und einen massiven Polizeieinsatz aus.  Gezeigt wurde die Flagge seinerzeit im Fanblock von Schalke 04 bei einem Spiel im Rahmen der Champions Laegue im August 2013. Eine hoch emotionale Reaktion, die auf dem Balkan weit verbreitet ist und in Deutschland eher weniger nachvollzogen werden kann.

Eine Flagge mit der Karte eines Großalbaniens war Anlass für den Spielabbruch im EM-Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Serbien in Belgrad

Eine Flagge mit der Karte eines Großalbaniens war Anlass für den Spielabbruch im EM-Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Serbien in Belgrad

Die Durchführung und Organisation von sportlichen Auseinandersetzungen zwischen bestimmten Balkanstaaten ist auch heute noch keine Normalität. Schnell kann aus einem sportlichen Ereignis ein Politikum werden, wenn nationale bzw. nationalistische Symbole dabei eingesetzt werden. So verlief das Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Serbien in Belgrad für die Europameisterschaft am 16.10.2014 bis zur 40. Minute zunächst relativ normal. Relativ Normal für Balkanverhältnisse. Die jeweiligen Anhänger wünschten dem jeweils anderen das bestmöglich Schlechte und betrachteten das Spiel als nationale Angelegenheit. Die Fans aus Albanien durften bis auf wenige Ausnahmen nicht kommen, da man Ausschreitungen in Belgrad befürchtete.

In der 41. Minute tauchte eine albanische Flagge auf, die an einer ferngesteuerten Drohne gehängt war. Bei näheren hinsehen zeigte die Flagge die Umrisse eines Großalbaniens, welches Gebiete des Kosovos, von Serbien, der Republik Makedonien und von Griechenland umfasste. Die Flagge wurde von einem serbischen Spieler heruntergerissen, was Handgreiflichkeiten mit den albanischen Spielern auslöste. Insgesamt kam es zu Tumulten und zum Einsatz der Sicherheitskräfte. Das Spiel musste vorzeitig abgebrochen werden. Das wird Konsequenzen für beide Parteien haben. Im Ergebnis können sowohl Albanien als auch Serbien von der Europameisterschaft ausgeschlossen werden.

Doch längst ist aus diesem Fußballskandal ein Politikum zwischen Albanien und Serbien geworden. So wird unter anderem dem beim Spiel als Zuschauer anwesende Olsi Rama, dem Bruder des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama, vorgeworfen die Drohne gesteuert haben. Dies bestreitet Olsi Rama jedoch. Das serbische Außenministerium bestellte daraufhin den albanischen Botschafter in Serbien ein, überreichte eine offizielle Protestnote und verlangte eine Entschuldigung von Albanien. Allerdings war der Vorfall mit der Flagge kein Akt staatlicher Gewalt aus Albanien. Vielmehr dürfte es sich bei diesem Vorfall aller Wahrscheinlichkeit um die Tat eines nationalistischen Fans gehandelt haben. Dennoch sind die politischen Folgen schwerwiegend. Der geplante historische Besuch des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama in Serbien könnte aufgrund des Vorfalls gefährdet sein. Zwar hatten Albanien und Serbien seit rund Einhundert Jahren keinen Krieg mehr, doch war das Verhältnis vor allem wegen dem Kosovo und der albanischen Minderheit in Serbien stark belastet. Erst in den letzten Jahren kam es zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen beiden Staaten, vor allem in Hinblick auf eine spätere Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU). In diesem Ziel sind sich Albanien und Serbien einig.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, wenn Albanien und Serbien wieder zur Besonnenheit zurückkehren und jede Form von Nationalismus bei Sportveranstaltungen verurteilen. Jede Seite sollte sich bei einem entsprechenden Ereignis klar von den Vorgängen distanzieren und diese Verurteilen. Allerdings sollte auch nie mehr hineininterpretiert werden, als tatsächlich vorgefallen ist. Alles andere wäre eine längst überholte Politik der nationalistischen Reflexe der 90er Jahre und die war eindeutig negativ für den Balkan.