September 2008

Hans-Lothar Steppan’s Artikel zu Makedonien

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Hans Lothar Steppan veröffentlichte mehrere, die Historie Mazedoniens analysierende Artikel, um so die Tiefe des aktuellen Streites mit Griechenland bzgl. des Namens zu zeigen. Leider ist vielen Menschen der Hintergrund des Streits noch nicht vollkommen klar. Steppan ist Autor des Buches „Der mazedonische Knoten“, welches sehr umfangreiche Informationen bzgl. der Republik Mazedonien liefert. Artikel ist aus dem Jahr 2005, hat jedoch nicht an Aktualität verloren.

Die Europäische Union sollte endlich den griechisch-mazedonischen Namensstreit ausräumen, der mit ihrer Hilfe entstanden ist.
Als die griechische Regierung am 26.06.1992 im Europäischen Rat bei Lissabon und am 08.04.1993 in der UNO – unter Ausnutzung der Unkenntnis der anderen Mitglieder über den wirklichen Geschichtsablauf – den absurden Namen „FYROM“ für die Republik Mazedonien durchsetzte, hieß es, diese Lösung solle lediglich „provisorisch“ sein. Inzwischen besteht der Schwebezustand bereits über 14 Jahre und niemand hat die damals vorgeschobenen Gründe der griechischen Regierung in erkennbarer Weise auf ihre Stichhaltigkeit überprüft. Andernfalls hätte der Beschluss unter dem Druck der historischen Fakten längst aufgehoben werden müssen, und alle Mitgliedstaaten der EU und der UNO würden seitdem die Republik Mazedonien mit ihrem legalen Staatsnamen benennen – vielleicht mit Ausnahme Griechenlands.

Der anhaltende Schwebezustand hat nicht nur eine negative Auswirkung auf die innenpolitische Konstellation in Mazedonien, er verhindert auch Fortschritte bei der endgültigen Regelung der Mitgliedschaft der Republik Mazedonien in der Europäischen Union und in der NATO. Damit wird die gesamte Entwicklung Mazedoniens erheblich beeinträchtigt und – schlimmer noch – die Sicherheitslage auf dem südlichen Balkan zusätzlich geschwächt. Die Untätigkeit der EU-Kommission gegenüber der Hinhaltepolitik Griechenlands hat zur Folge, dass den Mazedoniern allmählich die Existenzgrundlage entzogen wird. Ohne Initiative der EU ist zu befürchten, dass Griechenland – und bald auch Bulgarien – den Weg Mazedoniens „nach Europa“ durch ihr Veto so lange hinauszögern werden, bis Mazedonien gezwungen sein wird (man erinnere sich an die völlig unbegründete Änderung der mazedonischen Staatsfahne), die durch nichts zu rechtfertigenden Forderungen seiner Nachbarn unter dem Druck der USA und der EU akzeptieren zu müssen. Auf dieselbe Weise sind den Mazedoniern auch Bedingungen in Bezug auf die albanische Minderheit aufgezwungen worden, die keineswegs alle zu gerechten Lösungen geführt haben.

Unmittelbar nach der Wende 1989/90 konnte niemand von den Vertretern der Europäischen Union erwarten, dass sie vor der verhängnisvollen Namensentscheidung alle Details über die historische Entwicklung auf dem Balkan während der vergangenen 100-125 Jahre genau so präsent hatten wie die Nachbarn Mazedoniens selbst; sonst wäre die Fehlentscheidung niemals zustande gekommen. So aber war es der griechischen Regierung ein Leichtes, ihre Interessenpolitik durchzusetzen, ohne den betroffenen Mazedoniern auch nur die geringste Chance einzuräumen, den wahren Ablauf der historischen Vorgänge darstellen zu können. Genau dies sollte offenbar verhindert werden. Mit Erfolg, denn die EU-Kommission hält sich auch heute noch daran.

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