Griechisch-Makedonischer Streit um den Namen MakedonienDer nun 18 Jahre andauernde Streit zwischen Mazedonien und Griechenland ist sehr vielschichtig und komplex. 1995 hatten beide Seiten ein sog. Interims-Abkommen geschlossen, in welchem sich Griechenland verpflichtet hat, die Integration Mazedoniens in internationale Organisation nicht zu behindern. Im Gegenzug hat Mazedonien die Staatsflagge (Zuvor der Stern/Sonne von Vergina, das Symbol der antiken Makedonen; heute eine stilisierte Sonne) und die Verfassung mit dem Zusatz, dass man keine Gebietsansprüche gegenüber angrenzende Länder hat, geändert. In internationalen Organisationen wurde das Land als Ehem. Jugoslawische Republik Mazedonien aufgenommen. In bilateralen Beziehungen jedoch verwenden zahlreiche Länder den verfassungsmäßigen Namen Republik Mazedonien, aktuell ca. 125 Länder.Parallel werden Verhandlungen im Rahmen der UN durch den UN-Sondervermittler Matthew Nimetz geführt, bisher jedoch ohne Ergebnis.

Zunächst hatte sich Griechenland strikt geweigert, einen Namen zu akzeptieren, der den Term „Makedonien” beinhaltet. Zu Beginn fürchtete man Gebietsansprüche, da es eine gleichnamige Provinz in Nordgriechenland gibt, die auch Makedonien heißt.

Ebenfalls weigert sich Griechenland, eine mazedonische Nation, Sprache, Identität, Kultur und damit ein ganzes Volk anzuerkennen. Diese Weigerung spiegelt sich jedoch nicht mehr in diesem zunächst um den Namen gehenden Streit. Diesen Sachverhalt brachte im vergangen Jahr der mazedonische Ministerpräsident Nikola Gruevski im Gespräch mit Matthew Nimetz ein. Nach kurzweiligem Protest aus Griechenland bekannte mach sich jedoch auch zu diesen Ansprüchen.

Politische vs. rationale Lösung und Ihre möglichen Auswirkungen

Die politische Lösung
Die UN, die EU oder eine andere internationale Institution schlägt eine Lösung vor, die beide Seiten annehmen, einen Kompromiss sozusagen. Beide Seiten geben ein wenig nach und finden eine Lösung. Die Frage ist jedoch, kann ein Staat so leicht nachgeben oder ist das Problem zwischen den Staaten eher eine „Entweder/Oder”- Entscheidung? Wie bereits erwähnt geht es nicht mehr um den Namen des Staates sondern um die Identität eines ganzen Volkes, deren Sprache und Kultur, die sich bisher als „mazedonisch” definiert hat. Kann man einem Menschen seine Identität nehmen? Einem Menschen, der sich in seinem gesamten Leben zunächst als Mazedonier in Jugoslawien gefühlt hat und seit 1991 als unabhängiger Mazedonier? Viele Jugendliche kennen das Jugoslawien heute auch nur noch aus Geschichtsbüchern, denn seit dem Zerfall des Vielvölkerstaats sind fast 20 Jahre vergangen.
Eine politische Lösung scheint zwar möglich, könnte aber die Region stark destabilisieren und neue Konflikte auslösen.

Geographische Region Mazedonien

Geographische Region Mazedonien

Die rationale Lösung
Wie bereits unterschiedliche Wissenschaftler dargelegt haben, ist eine mazedonische Nation mit ihrer Sprache, Kultur und Identität als Existent anerkannt. Diese Tatsache sei nicht mehr aus der Welt zu bringen und Griechenland müsse dies kompromisslos anerkennen. Vor diesem Hintergrund könnte Griechenland über ihren Schatten springen und das kleine Land unter dem verfassungsrechtlichen Namen anerkennen. Denn es besteht keine Verwechslungsgefahr zwischen der Republik Mazedonien und den drei Verwaltungseinheiten „Westmazedonien, Zentralmazedonien und Ostmazedonien & Thrakien” in Nordgriechenland. Die Bevölkerung könnte sich unterscheiden in Mazedonier (aus der Republik Mazedonien) und griechischen Mazedonier (Bevölkerung der drei Verwaltungseinheiten in Nordgriechenland) – damit gibt es keine Verwechslungsgefahr.

Warum man sich über die antiken Mazedonier streitet, scheint ebenfalls verwunderlich, da man klar zwischen den heutigen Mazedoniern und den antiken Mazedoniern unterscheiden kann. Die Frage, ob die antiken Mazedonier Hellenen, einen den Hellenen verwandtes Volk oder ein eigenständiges Volk waren ist bis dato noch nicht endgültig geklärt. Um dieses Thema zu bearbeitet hatte der mazedonische Außenminister eine „Expertenkommission” vorgeschlagen, die sich aus Mazedonier, Griechen und anderen international anerkannten „neutralen” Experten zusammen setzen und genau diesen Sachverhalt erörtern soll. Dabei könnte endgültig festhalten, welche Verbindung die heutigen Mazedonier, aber auch die heutigen Griechen mit der antiken Welt haben. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass weder die heutigen Griechen, noch die Mazedonier „direkte” Verbindungen in die Antike vorweisen können.

Antonio Milososki im Gespräch mit seiner gr. Kollegin Bakoyannis

Antonio Milososki im Gespräch mit seiner gr. Kollegin Bakoyannis

Griechenlands Gründe gegen eine rationale Lösung
Seit Anfang der 1990er verfolgte Griechenland keine rationale Politik mehr, sondern baute stetig eine Bewegung auf, in der Mazedonien als griechisch, und nur griechisch bezeichnet wurde. In diesem Hin und Her von Emotionen findet heute die Rationalität gar keinen Platz mehr. Die griechische Politik ist in der Zwickmühle, entweder riskiert sie den politischen Tod und legt ein für alle Male den absurden Streit mit Mazedonien bei, oder aber sie führt weiterhin eine destruktive Politik der Ablehnung und Verweigerung gegenüber Mazedonien, bleibt aber am Leben. Was kurzfristig rational erscheint, ist aber langfristig nicht verantwortbar.

Nachdem Mazedonien bereits 1995 wichtige Zusagen gemacht und Kompromisse eingegangen ist, ist nun Griechenland an der Reihe, sich zu öffnen und endlich die Emotionen bei Seite zu legen und rational das Thema heranzugehen. Die Bevölkerung wird davon profitieren.