Die Republik Makedonien ist bereits seit dem Jahr 2005 offizieller EU-Beitrittskandidat. Aufgrund des sogenannten Namensstreit mit dem EU-Mitglied Griechenland konnten bisher keine offiziellen EU-Beitrittsgespräche beginnen. Stattdessen findet zwischen der EU und der Republik Makedonien ein Dialog auf höchster Ebene statt. Galt die politische Entwicklung in der Republik Makedonien bisher als Vorbild in der Region Westbalkan, wird sie aufgrund der zunehmenden Verletzung von demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätzen sowie von zunehmenden Klientelismus und Einschränkungen in der Freiheit der Presse auch von Seiten der Europäischen Union (EU) immer kritischer gesehen.

Wirtschaftlich hingegen ist die Entwicklung in der Republik Makedonien positiv und in dieser Hinsicht auf EU-Kurs. In den letzten drei Jahren verzeichnete die Republik Makedonien höhere Einnahmen als Ausgaben und hatte damit Haushaltsüberschüsse. Die Gesamtverschuldung der Republik Makedonien beträgt derzeit 36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und ist damit im Vergleich zu den anderen Staaten des Westbalkans deutlich niedriger. In Serbien liegt diese bei 63,2 Prozent, in Albanien bei 62,0 Prozent und in Montenegro bei 58,0 Prozent. Die Inflationsrate in der Republik Makedonien liegt bei 2,8 Prozent. Das vorgegebene Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt bei einer Inflationsrate von 2,0 Prozent, welche von dem Kosovo, Albanien und Montenegro erreicht wird. In Bosnien und Herzegowina liegt sogar eine Deflation von -0,2 Prozent vor. Die Zinsraten, welche die Staaten des Westbalkans für ein Darlehen am Finanzmarkt zahlen müssen, sind relativ hoch. Allerdings liegt die Republik Makedonien mit 3,8 Prozent am unteren Ende der Skala. So müssen etwa Bosnien und Herzegowina 7,0 Prozent und Serbien sogar 13,8 Prozent Zinsen für Darlehen am Finanzmarkt zahlen. Der Wert der makedonischen Währung schwankt kaum und ist daher stabil (Bindung an den Euro). Gleiches gilt für Albanien. Nicht stabil ist hingegen die Währung in Serbien, welche starken Schwankungen unterworfen ist. Die Währung von Bosnien und Herzegowina steht in einem festen Kurs zum EURO und in Montenegro wird mit dem EURO als Währung bezahlt.

Die Finanzstatistiken sind allerdings nur ein Teil der Kriterien für einen möglichen EU-Beitritt. Es gibt insgesamt einen Katalog von 33 Fragen, welche von den potentiellen EU-Beitrittskandidaten abgearbeitet werden müssen. Das sind  unter anderem Fragen zu arbeitsrechtlichen Reformen, Standards in der Lebensmittelsicherheit, der Sozialpolitik und der Justiz. Gerade auf politischem Gebiet hat es in der Republik Makedonien Rückschritte gegeben. Auf diesem Gebiet ist noch einiges zu tun. Die Republik Makedonien muss wieder den alten Standard in der demokratischen, rechtsstaatlichen und sozialen Kultur erreichen den sie einst hatte und sich darüber hinaus entwickeln. Auch die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird davon abhängen.