Aufgrund des Rahmenabkommens von Ohrid vom 13. August 2001 und der darauf hin erfolgten Änderung der makedonischen Verfassung am 20. November 2001, darf neben der makedonischen Sprache die einer ethnischen Gemeinschaft im amtlichen Verkehr verwendet werden, wenn deren Angehörige in einer Gemeinde bzw. Stadt oder auf nationaler Ebene einen Anteil von mindestens 20 Prozent an der Gesamtbevölkerung stellen.

Auf nationaler Ebene erfüllen dieses Quorum nur die Angehörigen der albanischen Gemeinschaft. In einigen Gemeinden bzw. Städten der Republik Makedonien wird dieses Quorum auch von Angehörigen anderer ethnischen Gemeinschaften erfüllt, welcher nicht der Bevölkerungsmehrheit angehören.

Im Falle der Angehörigen der türkischen Gemeinschaft wird dieses Quorum bereits in den Gemeinden bzw. Städten Studeniçan, Gostivar, Vrapçişte, Merkez Jupa, Plasnica und Çayır ve Doyran  erreicht. In diesen Kommunen darf neben der makedonischen Sprache das Türkische im amtlichen Verkehr benutzt werden. Amtliche Formulare, Bescheide und sonstige Schriftstücke können also auch auf Türkisch verfasst werden.

Kicevo

Kicevo

Nun wurde dieses Quorum auch von Angehörigen der türkischen Gemeinschaft in Kicevo (türkisch: Kircova) erreicht. Daher wird auch in dieser Stadt jetzt das Türkische neben dem Makedonischen im amtlichen Verkehr Verwendung finden können. Nach einer Bemerkung des Bürgermeisters von Kicevo, Fatmir Dehari, in einer amtlichen Mitteilung, betrachtet sich Kicevo als ethnisch vielfältige Stadt zwischen Albanern, Makedoniern und Türken. Die Stadt lege großen Wert auf die Gleichbehandlung aller in ihr lebenden Ethnien und dies wird auch garantiert, so der Bürgermeister.

Die Angehörigen der türkischen Gemeinschaft haben nach der Volkszählung von 2002 einen Anteil von 3,9 Prozent an der Gesamtbevölkerung der Republik Makedonien, was in absoluten Zahlen rund 79.000 Angehörigen der türkischen Gemeinschaft entspricht. Damit sind sie nach den ethnischen Makedoniern (Anteil: 64,2 Prozent) und den Albanern (Anteil: 25,2 Prozent) die drittgrößte Volksgruppe in der Republik Makedonien. Ihr Bevölkerungsanteil war ursprünglich mal größer gewesen. Nach einer Volksabstimmung von 1953 lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung noch bei 16 Prozent. Die Region Makedonien war bis 1912 etwa 500 Jahren unter Osmanischer Herrschaft, was prägend für diese war und bis heute ist. Nach dem Ende der Osmanischen Herrschaft wanderten viele Türken aus oder wurden vertrieben. Auch nach Gründung des makedonischen Staates im August 1944 setzte sich die Migration noch fort, so dass der Anteil der Türken in der Republik Makedonien kontinuierlich sank. Allerdings sprechen neben den Angehörigen der türkischen Gemeinschaft noch andere Ethnien in der Republik Makedonien, etwa die Albaner, die türkische Sprache. So ist der Anteil der Türkisch sprechenden Bewohner der Republik Makedonien größer als der Anteil der in ihr lebenden Angehörigen der türkischen Gemeinschaft. Auch die Verbreitung des Islam geht auf die Herrschaft der Osmanen zurück. So sind etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Republik Makedoniens Angehörige der muslimischen Religion.