Vorweg möchte ich ein kleines persönliches Jubiläum erwähnen: seit siebeneinhalb Jahren schreibe ich für Pelagon – Nachrichten und Informationen aus und über Makedonien. Rund 150 Artikel habe ich in diesem Zeitraum geschrieben und veröffentlicht. Themen waren dabei nicht nur makedonische Belange, sondern unter anderem auch die Nachbarstaaten und das ehemalige Jugoslawien. Die journalistische Tätigkeit zu diesen Themengebieten ist ein Ergebnis meiner wissenschaftlichen Beschäftigung damit, die den Schwerpunkt meiner Arbeiten einnimmt. Doch über den Themenkomplex Makedonien zu informieren ist nicht so einfach und erfordert hohe persönliche Anforderungen. Während die grundlegenden Informationen objektiv aufgearbeitet werden müssen, werden ihre Ergebnisse subjektiv interpretiert. Auch wenn dies nach besten Können und Wissen geschieht, so können hiervon abweichende Ergebnisse und Standpunkte nicht ausgeschlossen werden. Daher ist es auch immer wichtig, andere Ergebnisse und Standpunkte in der Berichterstattung mit aufzunehmen. Es geht darum, einen Sachverhalt von mehreren Seiten zu betrachten, die Standpunkte dazu möglichst vollständig aufzuführen und dann natürlich noch seine eigenen Bewertungen, welche natürlich als solche gekennzeichnet sein müssen und werden, mit einfließen zu lassen. Dennoch wird Kritik an meinen Ausarbeitungen nicht unterbleiben. Ich kann vor allem Denkprozesse anstoßen, welche meine Leserschaft zu einer eigenverantwortlichen Beschäftigung mit der makedonischen Frage motivieren sollen. 

Die Informationslage im Kontext der nationalen Politik der jeweiligen Staaten

Die ursprüngliche makedonische Frage betraf das Schicksal der makedonischen Bevölkerung im Osmanischen Reich nach dem Berliner Kongress im Jahre 1878 und nach der Aufteilung Makedoniens zwischen Bulgarien, Griechenland und Serbien aufgrund des Vertrages von Bukarest im Jahre 1913. Während die makedonische Bevölkerung in Bulgarien und Griechenland weitgehend assimiliert wurde, blieb die makedonische Frage besonders im serbischen bzw. jugoslawischen Teil von Makedonien offen. Erst durch die Anerkennung der ethnischen bzw. slawischen Makedonier als gleichberechtigt mit den anderen jugoslawischen Völkern bzw. als Nation auf der zweiten Sitzung des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens im Jahre 1943 und der Schaffung eines makedonischen Staatswesens im Jahre 1944 konnte diese Form der makedonische Frage weitgehend beantwortet werden. Diese entspricht auch weitgehend der Entwicklung der makedonischen Bevölkerung im damals jugoslawischen Teil von Makedonien und wird auch heute noch im Rahmen der Republik Makedonien von der großen Mehrheit der Bevölkerung getragen und auch von mir persönlich favorisiert.

Die makedonische Antwort auf die makedonische Frage, wie sie im Rahmen der kommunistisch-jugoslawischen Bewegung dieser Jahre beantwortet wurde, blieb nicht unumstritten – besonders in Bulgarien und Griechenland.

So gibt es auch eine bulgarische und eine griechische Antwort auf die makedonische Frage, die entsprechend im bulgarischen bzw. im griechischen Teil von Makedonien auch umgesetzt wurde. Nach der bulgarischer Auffassung sind die ethnischen bzw. slawischen Makedonier Teil der bulgarischen Kulturnation und nicht eigenständig. Tatsächlich sind die Gemeinsamkeiten der makedonischen Kultur und Sprache mit der bulgarischen größer als mit der serbischen. Je nach Auffassung werden die ethnischen bzw. slawischen Makedonier als eigenständige Kulturnation oder als Teil der bulgarischen Kulturnation angesehen. Entsprechend wird mit der makedonischen Sprache verfahren. Für die einen ist sie eigenständig, für andere wiederum ein (west-)bulgarischer Dialekt. Für die Griechen wiederum ist die Frage der makedonischen Identität sekundär. Primär sind nach griechischer Auffassung die Bezeichnungen der makedonischen Kulturnation und Sprache unangemessen. Aus griechischer Sicht gibt es nur ein Makedonien und das ist das griechische. Die antiken Makedonier seien griechisch gewesen, daher können die Begriffe „Makedonien“, „Makedonier“ und „Makedonisch“ nicht durch nicht-griechische Völker verwendet werden. Auch die heutigen Makedonier (in der griechischen Region Makedonien) seien daher Griechen. Die Bezeichnung der „Republik Makedonien“ wird überdies gleich gesetzt mit territorialen Ansprüchen auf die griechische Region Makedonien.

Auf diese Thematik bin ich bereits sehr ausführlich eingegangen. Zur bulgarisch-makedonischen und zur griechisch makedonischen Frage gibt es sehr viele Artikel von mir. Meinen Standpunkt habe ich auch mehrfach dargestellt und begründet. Hier soll mein Standpunkt noch einmal ohne weitere Begründung wiedergegeben werden: „Für mich gibt es eine makedonische Kulturnation und Sprache. Die makedonische Kulturnationen lebt hauptsächlich in der Republik Makedonien, welche  rechtmäßig ihren Namen trägt und nicht zu einer Namensänderung gezwungen werden darf.“ Die ausführlichen Begründungen finden sich in meinen Artikeln und sollen an dieser Stelle kein Thema sein. Das Thema ist die informative Darstellung der makedonischen Frage und der vielseitigen Antworten auf diese Frage.

Die mediale Darstellung der makedonischen Frage (Schwerpunkt Griechenland)

Hier soll vor allem die Situation in Griechenland hervorgehoben werden, da diese am folgenreichsten für die Gesamtproblematik um den makedonischen Knoten ist. Viele Griechen verbinden die makedonische Frage noch mit dem griechischen Bürgerkrieg (1946 – 1949) zwischen Kommunisten und der königlichen Regierung in Griechenland. In diesem wurde die makedonische Frage vor allem von den bulgarischen und jugoslawischen Kommunisten aufgegriffen, welche eine Lösung in ihrem Sinne anstrebten. Diese reichte von einer Anerkennung der ethnischen bzw. slawischen Makedonier als eigene Kulturnation (Minderheit) mit besonderen kulturellen Rechten, über eine territoriale Autonomie innerhalb Griechenlands, bis hin zu einer Abspaltung der griechischen Region Makedonien und Vereinigung im Rahmen eines makedonischen Staates. Die griechischen Kommunisten hielten sich in dieser Frage zwar zurück, gingen aus Sicht vieler Griechen bereits zu weit. Überdies hatte der Bürgerkrieg seinen Schwerpunkt im nordgriechischen Makedonien und viele ethnische bzw. slawische Makedonier kämpften auf Seiten der Kommunisten. Aus dieser Stimmungslage heraus entwickelten sich nach dem Ende des Bürgerkrieges eine anti-kommunistische und eine anti-makedonischen Haltung gegenüber allem nicht-griechisch makedonischem heraus. In Griechenland wurde politisch die kulturelle Verbindung zwischen antiken und den heutigen griechischen Makedoniern propagiert, um diese als Bollwerk gegen kommunistisch-slawische Einfälle aus Bulgarien und Jugoslawien zu instrumentalisieren. Diese Politik war erfolgreich und führte zu einer Stärkung der makedonischen Regionalidentität in Griechenland. Gleichzeitig wurde alles nicht-griechisch makedonische massiv bekämpft. Auf der Strecke blieb allerdings die objektive Auseinandersetzung mit der makedonischen Frage. Sie fand weder in den Medien noch in den Schulen und Hochschulen statt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen gab es in der griechischen Wissenschaft und Forschung keine Auseinandersetzung mit dieser. Der Kalte Krieg fror die makedonische Frage zunächst ein. Sie wurde in jener Zeit medial kaum aufgegriffen und als existente Frage auch von einer breiten Öffentlichkeit überwiegend nicht wahrgenommen.

Alles änderte sich mit dem Zerfall der „Sozialistisch Föderativen Republik Jugoslawien“ und der daraus resultierenden Unabhängigkeit der „Republik Makedonien“ in den Jahren 1991/92. Für viele Griechen war die Existenz des makedonischen Staates völlig unbekannt und zum Teil auch ein Schock. Es gab in der griechischen Öffentlichkeit fast keine Informationen über den makedonischen Staat, welcher ja bereits seit 1944 existierte, und über die makedonische Frage. Dieses Vakuum wurde von den konservativen Meinungsmachern aus der Zeit nach dem griechischen Bürgerkrieg aufgefüllt. Die seit dem Jahr 1974 im demokratischen Griechenland wieder zugelassenen Kommunisten vermieden ebenfalls jeden hiervon abweichenden Standpunkt. Die griechischen Medien griffen in der Regel völlig unkritisch die durch die konservativen Meinungsmacher hervorgebrachten alten Thesen auf und machten sie sich zu eigen. Ein kritischer Journalismus, welche die griechisch-nationalen Standpunkte hinterfrage, fand nicht ab. Die Lage in der griechischen Gesellschaft bezüglich der nun wieder in ihrem Bewusstsein gerückten makedonischen Frage war zum Teil hysterisch und ruft bis heute starke Emotionen hervor. Folgende Thesen wurden von den griechischen Medien unkritisch und ohne weitere Verifizierung übernommen:

  1. Es gibt nur ein Makedonien und das ist das griechische. Hierbei wird nicht von den Grenzen der Region Makedonien ausgegangen, wie sie spätestens seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts definiert waren, sondern ausschließlich von den Grenzen des antiken Makedonien. Bezüge werden hauptsächlich zum antiken Makedonien hergestellt, während die neuere makedonische Geschichte ausgeblendet und vollkommen uminterpretiert wird.
  2. Die Angehörigen der makedonischen Kulturnation (aus Sicht der Griechen „Skopjaner“) würden behaupten, Philipp II. und Alexander der Große sowie die antiken Makedonier wären Slawen gewesen.
  3. Die Republik Makedonien und ihre Nation würden territoriale Ansprüche auf die griechische Region Makedonien erheben. Als Beweis wurde unter anderem aufgeführt, dass die makedonische Nationalbank Geldscheine mit dem Bild vom Weißen Turm in Thessaloniki herausgeben wollte.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend, jedoch waren es wesentliche Argumente dieser Zeit. Allerdings stimmen sie so nicht, wie unter anderem auch Adamantios Skordos in seinem Buch „Griechenlands Makedonische Frage“ ausführlich darlegt. In diesem werden die ganze Thematik und die griechische Geschichtspolitik von 1945 bis 1992 ausführlich dargelegt.

Heute ist, abweichend vom griechischen Standpunkt, anerkannt, dass es eine geografische Region Makedonien gibt. Diese ist aufgeteilt zwischen Bulgarien, Griechenland und der Republik Makedonien. Damit umfasst die Republik Makedonien ausschließlich ein Territorium, was nach heute anerkannter Definition zur Region Makedonien gehört. Von diesem Territorium bildet die griechische Region den größten Teil. Tatsächlich verliefen die nördlichen Grenzen des antiken Makedonien anders. Große Teile der heutigen Republik Makedonien einschließlich ihrer Hauptstadt Skopje gehörten nicht dazu, jedoch das gesamte Territorium der heutigen griechischen Region Makedonien. Die griechische Schlussfolgerung ist: nur das gilt und damit gibt es nur ein Makedonien, welches zu Griechenland gehört. Diese Schlussfolgerung wird von der großen Mehrheit in der Wissenschaft und internationalen Politik nicht geteilt. Tatsächlich ist Makedonien heute etwas anderes als in der Antike. Jedoch wurde diese differenzierte Sicht in den griechischen Medien nie ernsthaft behandelt oder als Propaganda anderer Mächte abgetan, welcher das Ziel hätten, Griechenland zu zerstückeln. Mittlerweile hat sich die Position etwas enthärtet. So wird zumindest auch in Griechenland von der geografischen Region Makedonien im heutigen Sinne ausgegangen. Allerdings werden weiterhin die Grenzen des antiken Makedoniens als Legitimation für den griechischen Standpunkt hervorgehoben. Des Weiteren werden der Republik Makedonien und der makedonischen Kulturnation weiterhin die Rechte auf die uneingeschränkte Nutzung der Bezeichnung „Makedonien“ sowie der davon abgeleiteten Begriffe (für Nation, Sprache, Staatsbürgerschaft, etc) abgesprochen.

Die Behauptung Philipp II. und Alexander der Große sowie die antiken Makedonier seien Slawen gewesen wurde nie von der offiziellen Geschichtsschreibung der Republik Makedonien oder im Rahmen der dort betriebenen Wissenschaft aufgestellt. Diese Behauptung wurde wahrheitswidrig von einigen griechischen Meinungsmachern in die Öffentlichkeit getragen und von den Medien unkritisch übernommen. Zwar nimmt auch die Republik Makedonien immer mehr Bezug auf das antike Makedonien, was umstritten ist. Slawisiert wurde und wird die antike makedonische Geschichte jedoch eindeutig nicht.

Gebietsansprüche wurden und werden von der Republik Makedonien gegenüber Griechenland nie erhoben. Dies wurde sogar in einer Änderung der makedonischen Verfassung vom 06. Januar 1992 staatsrechtlichen und in völkerrechtlichen Abkommen mit Griechenland, etwa dem Interimsabkommen vom 13.09.1995, auch nach internationalem Recht verbindlich bekräftigt. Überdies waren makedonische Geldscheine mit dem Weißen Turm von Thessaloniki niemals von offizieller Seite vorgesehen. Es gab allerdings Souvenirs in Form von entsprechenden Geldscheinen zu kaufen. Diese hatten jedoch nichts mit dem makedonischen Staat zu tun. Es gab und gibt natürlich auch unter den Bürgerinnen und Bürgern der Republik Makedonien sowie unter ihren Politikern Personen, welche Gebietsansprüche auf die griechische Region Makedonien befürworten. Unter anderem werden solche Positionen auch von Angehörigen der makedonischen Diaspora vertreten.  Allerdings gibt es keine dahinterstehende große politische Bewegung und noch weniger eine staatliche Forderung durch die Republik Makedonien. Auf der anderen Seite gibt es entsprechende Positionen auch in Bulgarien, Griechenland und Serbien. Es gab auch griechische Politiker, welche eine Aufteilung der Republik Makedonien zwischen Griechenland und Serbien unterstützten oder Gebietsansprüche befürworteten. Doch gibt es natürlich auch in Griechenland keine entsprechend starke politische Bewegung dahinter. Die griechischen Medien differenzierten hier zudem nicht und fachten die Stimmung gegen die Republik Makedonien in der griechischen Bevölkerung zusätzlich an.

Die Situation in der Republik Makedonien

Eine objektive Darstellung erfolgt auch in den Medien der Republik Makedonien nicht im ausreichenden Maße. Zwar ist die Situation nicht so extrem wie in Griechenland, dennoch bei weitem nicht angemessen. In den ersten 50 Jahren seit der Anerkennung der ethnischen bzw. slawischen Makedonier im Jahr 1943 und der Gründung des makedonischen Staates im Jahr 1944 spielte das antike Makedonien kaum eine große Rolle. Der Führer der Reformer im Bund der Kommunisten Makedoniens, Krste Crvenkovski, sagte Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre einmal, dass er es ablehne, die Wurzeln seiner (makedonischen) Nation im tiefsten Mittelalter zu suchen. „Als Marxisten wissen wir, dass die Nation eine historische Kategorie ist, die mit dem Aufkommen und der Entwicklung des Kapitalismus verbunden ist, und daher wenden wir uns den Anfängen der nationalen Epoche in dieser Periode zu.“

Die Situation änderte sich bereits etwas mit dem Ende des Kommunismus, dem Wiedererwachen des Nationalismus und der Unabhängigkeit der Republik Makedonien in den Jahren 1990 bis 1995. Symptomatisch hierfür war die Wahl des „Sterns von Vergina“ aus der Zeit des antiken Makedonien als Symbol auf der Staatsflagge der Republik Makedonien. Diese auch in der Republik Makedonien umstrittene Entscheidung setzte seinerzeit die IMRO-DPMNE durch. In dem Interimsabkommen mit Griechenland vom 13. September 1995 verzichtete die Republik Makedonien offiziell auf dieses Symbol und andere Symbole vom antiken Makedonien. Diese Position wurde jedoch seit der Regierungsübernahme durch die IMRO-DPMNE im Jahre 2006 und ihrer Fortdauer wieder aufgeweicht. So wurden der Flughafen und eine Autobahn nach Alexander dem Großen benannt. Im Rahmen des auch in der Republik Makedonien umstrittenen Projekts „Skopje 2014“ wurden faktisch Statuen von Alexander dem Großen und Philipp II. aufgestellt. Faktisch daher, weil sie so aussehen und gemeint sind, jedoch nicht so genannt werden.

Es wird in der Republik Makedonien von einigen die These vertreten, dass sich die antiken Makedonier mit den einwandernden Slawen vermischt hätten und in ihnen aufgegangen seien. Das Ergebnis seien die heutigen ethnischen bzw. slawischen Makedonier gewesen. Auch wird in makedonischen Darstellungen das Reich von Samuel (972 bis 1014) als makedonisches Reich bezeichnet. Die überwiegende Mehrheit in der Wissenschaft sieht des jedoch anders. Die antiken Makedonier existierten wahrscheinlich bereits als eigenständige Gruppe nicht mehr, als die Slawen etwa im 6. Jahrhundert auf dem Balkan einwanderten. Sie dürften zu dieser Zeit bereits im allgemeinen Griechentum und auch in anderen Völkern jener Zeit aufgegangen sein. Es gibt jedenfalls keine historischen Belege für eine direkte Wechselwirkung zwischen antiken Makedoniern und Slawen. Es bleiben jedoch offene Fragen und nicht alles kann verifiziert werden. Allerdings ist auch die These, wonach die griechischen Makedonier direkte Nachfahren der antiken Makedonier seien, nicht zu halten. In der Zwischenzeit gab es gewaltige Völkerwanderungen. Gerade in der heutigen griechischen Region Makedonien hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung in der Zeit nach dem Ende des antiken Makedonien massiv geändert. Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand hatte es nach dem Ende des antiken Königreiches Makedonien bis zur Gründung des makedonischen Staates im Jahre 1944 wohl auch kein makedonisches Staatswesen bzw. kein makedonisches Reich mehr gegeben. Das spätere Reich von Samuel hatte zwar seinen Schwerpunkt in Makedonien und einen besonderen Charakter, jedoch kann in diesem Fall nicht ordinär von einem makedonischen Staatswesen gesprochen werden. Allerdings bildet das Reich von Samuel aufgrund seines besonderen Charakters sowohl für Bulgarien als auch für Makedonien eine wichtige historische Basis.

Schlusswort

Viele Nationen sind ein Produkt der Moderne. Das gilt unter anderem auch für die griechische und die makedonische Kulturnation. Nur bedingt haben diese Kulturnationen etwas mit ihren antiken Vorfahren zu tun, welche lange vor ihnen auf ihren heutigen Territorien lebten. Die makedonische Frage findet ihre Antwort nicht in der Antike und auch nicht im Mittelalter. Vielmehr ist ihre Antwort ein Produkt der Modernen. Die Medien müssen sich dessen bewusst sein. Es gibt auch nicht nur einen Standpunkt und nur diese eine Antwort. Aus heutiger Sicht halte ich die makedonische Frage durch die Existenz eines makedonischen Staates und einer makedonischen Kulturnation für sehr gut beantwortet. Allerdings hätte es in der Vergangenheit auch zu anderen Antworten kommen können. Hätte zum Beispiel das im Frieden von San Stefano im März 1878 kurzzeitig geschaffene Großbulgarien Bestand gehabt, das auch die Region Makedonien umfasste, hätte die Entwicklung ganz anders verlaufen können. Die bestehenden Gemeinsamkeiten zwischen Bulgaren und den späteren ethnischen bzw. slawischen Makedoniern hätten deren vorhandene Unterschiede durchaus überwinden können. So wie es im Falle von Deutschen und Österreichern unter anderen historischen Gegebenheiten auch hätte passieren können. Doch der Berliner Vertrag machte diesem bulgarischen Staat bereits im Juli 1878 ein Ende. Von da an verlief die Entwicklung der Bulgaren und der makedonischen Bevölkerung getrennt. Die Unterschiede wurden größer. Dennoch gab es in der makedonischen Bevölkerung weiterhin eine pro-bulgarische und eine pro-makedonische Haltung. Während der bulgarischen Besatzung Makedoniens während des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) und des Zweiten Weltkrieges (1941 – 1944) galten die Bulgaren zunächst als Befreier, später jedoch kippte die Stimmung aufgrund ihrer Besatzungspolitik zugunsten einer pro-makedonischen Haltung in der makedonischen Bevölkerung. Diese griff wiederum die kommunistisch-jugoslawische Bewegung im Rahmen ihres Volksbefreiungskampfes (1941 – 1944) erfolgreich auf. Das Ergebnis dieser makedonischen Antwort auf die makedonische Frage ist bekannt. Vor allem ist diese Antwort heute eine Realität, welche weder verleugnet noch zurückschraubt werden kann. Unter den gegebenen historischen Rahmenbedingungen ist das nach meiner Auffassung die bestmögliche Antwort. Meiner Meinung nach müssen die Republik Makedonien und die makedonische Kulturnationen auch keine Anleihen in der Antike oder im Mittelalter suchen. Das heutige Makedonien ist mit all seiner Vielfalt ein Wert an sich und eine Erfolgsgeschichte, was ebenfalls als historisch angesehen werden kann.

Letztendlich sehen wir: Die journalistische Aufarbeitung der makedonischen Frage ist komplex. Es gibt keine einfache Antworten und auch nicht die eine richtige Antwort. Es gibt jedoch viele Falschdarstellungen und Übertreibungen. Davon habe ich auch nur Auszüge dargestellt. Es ist jedoch die Aufgabe des Journalismus so informativ und so objektiv wie möglich über diesen Themenkomplex zu berichten. Das schließt eine persönliche und subjektive Bewertung nicht aus, so lange diese entsprechend gekennzeichnet und natürlich auch gut begründet wird. Doch auch eine subjektive Bewertung sollte niemals einfach nur einem persönlichen oder politischen Zweck dienen. Sie sollte aufrichtig, nach bestem Können und Wissen erfolgen.

Danksagung

Seit fast fünf Jahren liest Martin Wosnitza meine Artikel mit großer Professionalität Korrektur. Das waren in diesem Zeitraum über 60 Artikel. Über das Korrekturlesen hinaus lieferte er mir sehr viele wertvolle Anregungen, welche mit zum Erfolg dieser Artikel beitrugen. Dafür möchte ich Ihm sehr Danken! Martin Wosnitza ist unter anderem Betreiber von „blickfeld – Die CampusZeitung für Wuppertal“ http://www.blickfeld-wuppertal.de/

Einen weiteren Dank möchte ich meinem Kollegen Goran Popcanovski aussprechen, mit dem ich bereits seit 7,5 Jahren erfolgreich und gut zusammenarbeite! Goran Popcanovski ist Gründer des Portals „Pelagon – Nachrichten aus und über Makedonien / Südosteuropa“ und erster Chefredakteur. Auch er hat mich immer und zuverlässig bei meiner Arbeit und Recherche unterstützt und damit zum Gelingen der Artikel wesentlich beigetragen!

Ich möchte auch allen anderen sehr danken, die mir bei der Erstellung der Artikel geholfen haben!