In den Jahren 2017 und 2018 wurden zwischen Bulgarien, Griechenland und der Republik Makedonien grundlegende Übereinkünfte erzielt. Ziel dieser Übereinkünfte ist die Überwindung der Differenzen in der makedonischen Kulturfrage. Es geht um die Bedeutung der Begriffe „Makedonien“, „Makedonier“ und „Makedonisch“ vor dem kulturellen und historischen Kontext dieser drei Staaten. Jede Partei versteht etwas anderes darunter.

Für Bulgarien sind die ethnischen bzw. slawischen Makedonier Teil der bulgarischen Kulturnation. Viele von der Republik Makedonien beanspruchte historische Ereignisse werden auch von Bulgarien beansprucht. Durch einen Vertrag vom 01. August 2017 wollen Bulgarien und die Republik Makedonien ihren Kulturstreit durch eine objektiv-wissenschaftliche Interpretation von historischen Ereignissen im Rahmen eines Expertengremiums aus entsprechenden Vertretern der Wissenschaft beenden.

Für Griechenland sind der Begriff „Makedonien“ und alle daraus resultierenden Begriffe Teil der griechischen Kultur und Geschichte. Daher sieht Griechenland die entsprechenden Bezeichnungen in ihrem nördlichen Nachbarstaat als irredentistisch an. Zwar hat Griechenland nichts gegen die Eigenständigkeit der makedonischen Kulturnation, doch lehnt es die Bezeichnung der Nation als „Makedonisch“ ab und sieht sie auch als künstlich erschaffen an. Durch einen Vertrag vom 17. Juni 2018 wollen Griechenland und die Republik Makedonien ebenfalls ihre Differenzen in der makedonischen Kulturfrage überwinden. Vertraglich vereinbart wurde unter anderem die objektiv-wissenschaftliche Interpretation von historischen Ereignissen.

Aufgrund der Verträge rückt jede Partei von ihren Extremstandpunkten ab. Es wird grundsätzlich anerkannt, dass die Begriffe „Makedonien“, „Makedonier“ und „Makedonisch“ für die drei Staaten jeweils unterschiedliche kulturelle und historische Kontexte haben und daher mehrdeutig sind. Nachfolgend soll zunächst ausführlicher auf die zwischen diesen drei Staaten vereinbarten Konzepte zur Überwindung ihrer Kulturstreitigkeiten eingegangen werden. Anschließend soll bewertet werden, ob diese Konzepte im Ergebnis geeignet sind, diese seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden Kulturstreitigkeiten zu überwinden.

Der Vertrag zwischen Bulgarien und der Republik Makedonien

Am 01. August 2017 wurde zwischen Bulgarien und der Republik Makedonien der „Vertrag zur Freundschaft, Guten Nachbarschaft und Zusammenarbeit“ unterzeichnet. Auch wenn dieser nicht unumstritten ist, so dürfte er doch ein Meilenstein und Vorbild für die Region sein. Der Vertrag beruht im Wesentlichen auf einer bereits am 22. Februar 1999 unterzeichneten Deklaration. Zusätzlich wurde in diesem Vertrag eine gemeinsame multidisziplinäre Expertenkommission für historische und bildungsrelevante Fragen auf paritätischer Grundlage vereinbart. Die gemeinsame Geschichte soll nach objektiven, authentischen und wissenschaftlichen Kriterien bewertet und der Deutungshoheit durch die Politiker entzogen werden. Die Ergebnisse dieser Expertenkommission sollen in der Bildungs- und Informationspolitik beider Staaten umgesetzt werden. Historische Ereignisse und Persönlichkeiten sollen aufgrund der vielfältigen Verbindungen zwischen Bulgarien und Makedonien in der Vergangenheit gemeinsam begangen werden und gelten damit als Bestandteile der Kultur und Geschichte von beiden Nationen. Damit wollen die Republiken Bulgarien und Makedonien ein neues Kapitel in ihren Beziehungen beginnen und ihre kulturellen Streitigkeiten endgültig beilegen.

Wenn dieser Vertrag erfolgreich, sinn- und zweckgemäß umgesetzt wird, dann können alle Differenzen in der makedonischen Kulturfrage zwischen Bulgarien und der Republik Makedonien überwunden werden. Die objektiv-wissenschaftliche Klärung von kulturellen und historischen Fragen ist ein entscheidender und wichtiger Punkt in diesem Vertrag und der Schlüssel zur Lösung der bestehenden Streitigkeiten. Für Bulgarien sind die ethnischen bzw. slawischen Makedonier Teil der bulgarischen Kulturnation. Die ethnischen bzw. slawischen Makedonier sehen sich selbst weder als bulgarisch noch als serbisch an. Sie bilden daher eine eigenständige Kulturnation. Bulgarien akzeptiert diese Selbstidentifikation als Ausdruck des Selbstbestimmungsrechtes des Volkes der Republik Makedonien. Damit erkennt Bulgarien implizit eine makedonische Kulturnation an.  Wichtige historische Ereignisse werden sowohl von Bulgarien als auch von der Republik Makedonien beansprucht und daher unterschiedlich bewertet. In dem Vertrag streben Bulgarien und die Republik Makedonien nicht nur eine objektiv-wissenschaftliche Klärung von historischen Ereignissen an. Auch deren Zuordnung sowohl zur Kultur und Geschichte Bulgariens als auch zu der der Republik Makedonien wird von beiden Staaten als mögliche Lösung akzeptiert. So sollen entsprechende und daraus resultierende Feiertage auch gemeinsam begangen werden.

Der Vertrag zwischen Griechenland und der Republik Makedonien

Der Kulturstreit zwischen Griechenland und der Republik Makedonien ist schwerwiegender als der bulgarisch-makedonische Kulturstreit. Der Streit um den Namen „Makedonien zwischen beiden Staaten ist das stärkste und wahrnehmbarste Symptom dieses Streites. Nach intensiven Verhandlungen zwischen Griechenland und der Republik Makedonien zur Lösung des Streits um den Namen „Makedonien“ im Verlauf des Jahres 2018, wurde am 12. Juni 2018 vom griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und dem makedonischen Ministerpräsidenten Zoran Zaev ein Abkommen zur Lösung dieses seit 27 Jahren andauernden Streits ausgehandelt. Die vereinbarte Lösung sieht unter anderem die Umbenennung der Republik Makedonien in „Republik Nord-Makedonien“ für den allgemeinen und uneingeschränkten Gebrauch („erga omnes“), sowie die Anerkennung der makedonischen Nationalität und Sprache als „Makedonisch“ vor. In der Vereinbarung wird die Verwendung der Bezeichnungen „Makedonien“ und „Makedonier“ durch die Vertragspartner geregelt. Anerkannt wird, dass unter diesen Begriffen verschiedene kulturelle und historische Kontexte stehen. So hat der „Makedonismus“ für Griechenland einen anderen kulturellen und historischen Kontext als der der Republik Makedonien.

Auch dieser Vertrag sieht als sehr wichtigen Punkt die objektiv-wissenschaftliche Interpretation von historischen Sachverhalten vor. Zu diesem Zweck werden Griechenland und die Republik Makedonien einen paritätisch organisierten, gemeinsamen und interdisziplinären Sachverständigenausschuss für Geschichts-, Archäologie- und Bildungsfragen einrichten, um die objektiv-wissenschaftliche Interpretation historischer Ereignisse durchzuführen, basierend auf authentischen, evidenzbasierten und wissenschaftlich fundierten Quellen und archäologischen Funden. Die Arbeit dieses Sachverständigenausschusses wird von den Außenministerien Griechenlands und der Republik Makedonien in Zusammenarbeit mit anderen zuständigen nationalen Behörden überwacht. Der Ausschuss prüft nach eigenem Ermessen alle Schulbücher und Schulhilfsmittel, wie Karten, historische Atlanten, Lehrpläne (nachfolgend zusammengefasst als Lehrmittel bezeichnet), welche im Gebrauch der Vertragsparteien sind. Diese Überprüfung erfolgt in Übereinstimmung mit den Prinzipien und Zielen der UNESCO und des Europarates. Zu diesem Zweck legt der Ausschuss einen genauen Zeitplan fest, um den Vertragsparteien zu übermitteln, welche Lehrmittel, die ein Jahr nach der Unterzeichnung dieses Abkommens in Gebrauch sind, irredentistische oder revisionistische Verweise enthalten. Hierbei werden auch neue Ausgaben von Lehrmitteln geprüft. Der Sachverständigenausschuss wird regelmäßig, mindestens jedoch zweimal jährlich einberufen, spricht Empfehlungen aus und erstellt einen jährlichen Tätigkeitsbericht.

Ein Ende des Kulturstreits wäre möglich, nicht jedoch sicher

Der Kulturstreit um Makedonien, damals noch zwischen Bulgarien, Griechenland und Serbien, begann am Ende des 18. Jahrhunderts. Ab dem Jahr 1943 wurde die serbische Partei zunehmend durch eine eigenständige makedonische Partei ersetzt. Heute findet dieser Kulturstreit zwischen Bulgarien, Griechenland und der Republik Makedonien statt. Bei diesem Streit geht es um die kulturelle und geschichtliche Bedeutung der Begriffe „Makedonien“, „Makedonier“ und „Makedonisch“ und um die Kulturhoheit über Makedonien. Unter den genannten Begriffen versteht jede Partei etwas anderes. Was die Parteien darunter verstehen, ist bereits oben im Text erläutert worden. Für Bulgarien sind die ethnischen bzw. slawischen Makedonier Teil der bulgarischen Kulturnation. Griechenland sieht in Makedonien ein nationales Erbe, welches rein griechisch ist. Aus dieser Haltung heraus wird die Verwendung der Begriffe „Makedonien“, „Makedonier“ und „Makedonisch“ außerhalb des griechischen Kulturbereiches bzw. durch andere Staaten abgelehnt. Die Republik Makedonien hält die Bezeichnungen für ihren Staat sowie für ihre Nation und Sprache vollkommen legitim. Sie leitet diese Bezeichnungen von der geografischen Region Makedonien ab, in welcher die Republik Makedonien liegt. Des Weiteren sehen sich die ethnischen bzw. slawischen Makedonier weder als bulgarisch noch als serbisch, sondern als eigenständige Kulturnation an.

In der internationalen Gemeinschaft und in der Wissenschaft wird heute weitgehend anerkannt, dass die ethnischen bzw. slawischen Makedonier eine eigenständige Kulturnation sind. Auch die heutige südslawische Sprache „Makedonisch“ ist innerhalb der Vereinten Nationen ausdrücklich anerkannt. Selbst wenn es sich um eine relativ junge Nation handelt, heute stellt ihre Existenz eine Realität dar. Vor allem hat diese eigenständige makedonische Kulturnation im Ergebnis zu mehr Stabilität in der zuvor umstrittenen geografischen Region Makedonien geführt, da ein nicht mehr existierendes ethnologisches Vakuum keine gegenseitigen Ansprüche der Nachbarstaaten mehr auslösen konnte. Für den Frieden und die Stabilität in der betroffenen Region sind die Existenz der Republik Makedonien und der makedonischen Kulturnation wichtige Faktoren. Dies dürften auch die Nachbarstaaten Bulgarien und Griechenland erkannt haben. Ernsthafte territoriale Streitigkeiten hat es seitdem in der Region Makedonien nicht mehr gegeben und dürften auch in Zukunft sehr unwahrscheinlich sein. Doch auf kultureller Ebene blieb der Streit um „Makedonien“ bis heute bestehen und muss gelöst werden.

In den Verträgen zwischen Bulgarien und der Republik Makedonien vom 01. August 2017 sowie zwischen Griechenland und der Republik Makedonien vom 17. Juni 2018 ist eine objektiv-wissenschaftliche Klärung von kulturellen und historischen Sachverhalten vorgesehen. Das ist der Schlüssel zur Beantwortung der makedonischen Frage und zur Lösung des Kulturstreits um Makedonien. Der Erfolg dieses Weges hängt von der Bereitschaft der Parteien ab, eine objektiv-wissenschaftliche Klärung, unbeeinflusst von politischen Erwägungen, zu ermöglichen und die daraus resultierenden Ergebnisse zu akzeptieren. Der Weg muss allerdings erst einmal beschritten und dann natürlich auch zu Ende gegangen werden. Die geschlossenen Verträge bilden zwar die Grundlage, doch erst nach deren erfolgreichen Umsetzung kann das Ziel erreicht werden. Alternativen hierzu sind nicht ersichtlich. Es ist nach jetzigem Stand zumindest erkennbar, dass die betroffenen Parteien ernsthaft den Kulturstreit um Makedonien beenden wollen. Ohne diesen ernsthaften Willen wäre jede Lösung illusorisch.

Bulgarien und die Republik Makedonien waren in dieser Angelegenheit Vorreiter. Sie sind sogar bereit zu akzeptieren, dass bestimmte historische Ereignisse und Persönlichkeiten zur Kultur und Geschichte beider Staaten gehören. Die Gedenken zum Beginn des Ilinden-Aufstandes am 02. August 1903 begingen Bulgarien und die Republik Makedonien im Jahre 2017 am Grab von Goce Delčev erstmals gemeinsam. Goce Delčev war ein legendärer Anführer der „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation“ („IMRO“). Da es in der IMRO sowohl einen pro-bulgarischen als auch einen pro-makedonischen Flügel gab, wird Goce Delčev von beiden Staaten als Nationalheld verehrt. Am 03. Juli 2018 nahm die gemeinsame Expertenkommission zur objektiv-wissenschaftlichen Klärung von historischen Sachverhalten ihre Arbeit auf. Im Ergebnis sind Bulgarien und die Republik Makedonien bisher auf einem guten Weg.

Zwischen Griechenland und der Republik Makedonien war die Angelegenheit komplizierter. Sie rangen lange um eine Lösung und auch ein Scheitern wäre möglich gewesen. Beide Seiten haben aus ihrer Sicht schmerzliche Kompromisse eingehen müssen. Im Falle Griechenlands war es vor allem die Anerkennung der makedonischen Nation und Sprache. Zwar erfolgte die Anerkennung der makedonischen Nation durch Griechenland nur implizit, dennoch ist diese damit wirksam und Griechenland akzeptiert damit im Ergebnis die Existenz einer makedonischen Kulturnation. Im Falle der Republik Makedonien ist vor allem die Umbenennung des Staatsnamens „Republik Nord-Makedonien“ für den allgemeinen und uneingeschränkten Gebrauch („erga omnes“) ein schmerzhaftes Zugeständnis an Griechenland. Hinzu kommen noch bestimmte Änderungen in der makedonischen Verfassung, welche die Präambel sowie die Rechte und den Schutz des makedonischen Volkes in den Nachbarstaaten betreffen. Die zwischen Griechenland und der Republik Makedonien ausgehandelte Lösung muss allerdings noch in einem Referendum durch die makedonischen Bürgerinnen und Bürger am 30. September 2018 angenommen werden. Bei einer Annahme muss noch die Verfassung der Republik Makedonien mit einer Zweidrittelmehrheit unter allen Abgeordneten im Parlament geändert werden. Erst danach wird im griechischen Parlament über die ausgehandelte Lösung abgestimmt. Für deren Annahme ist eine Mehrheit unter allen Abgeordneten im griechischen Parlament erforderlich. Im Falle von Griechenland und der Republik Makedonien müssen die Ergebnisse des Referendums und die endgültigen Beschlüsse der Parlamente noch abgewartet werden.

Ein seit Jahrhunderten bestehender Kulturstreit wird auch durch die erfolgreiche Umsetzung der Verträge nicht sofort vollkommen beendet sein. Dafür sind die bestehenden Auffassungen und Differenzen bezüglich der makedonischen Frage in den Gesellschaften von Bulgarien, Griechenland und der Republik Makedonien noch zu tief verankert. In allen drei Staaten gibt es auch große Widerstände gegen die ausgehandelten Lösungen, auch in deren Gesellschaften. Die handelten Staatsvertreter und Politiker sind hier schon weiter. Doch müssen die ausgehandelten Lösungen auch in den Gesellschaften dieser drei Staaten vermittelt und verankert werden. Dies geht nur durch eine entsprechende Bildungs-, Kultur- und Informationspolitik sowie durch vertrauensbildende Maßnahmen. Dadurch kann langsam ein gesellschaftliches Umdenken erreicht werden. Wenn dann noch die Vorteile der ausgehandelten Lösungen ersichtlich werden, dann steigt die gesellschaftliche Akzeptanz für diese Lösungen noch weiter. Auch wenn wir noch nicht sicher am Ziel sind, die Chancen für die Beendigung des Kulturstreits sind gegeben und waren nie so gut wie derzeit.

Schlussworte

Der einzige Weg den Kulturstreit um Makedonien zu lösen, ist die objektiv-wissenschaftliche Klärung von kulturellen und historischen Sachverhalten durch politisch unabhängige Expertengremien. Zur endgültigen Lösung des Kulturstreits um Makedonien ist die Umsetzung von den erzielten objektiv-wissenschaftlichen Ergebnissen in der Bildungs-, Kultur- und Informationspolitik der betreffenden Staaten erforderlich. Auf diese Weise können offene Fragen geklärt, Streitigkeiten überwunden und die gegenseitigen Beziehungen auf Basis von Freundschaft und Vertrauen vertieft werden. Alle Formen von Irredentismus und Revisionismus werden auf diese Weise am effektivsten bekämpft.

Der Weg zur endgültigen Beendigung des Kulturstreits ist zwar noch steinig und weit, dennoch kann das Ziel bei gutem Willen aller Parteien erfolgreich erreicht werden. Aufgrund von  größeren Widerständen in den Gesellschaften von Bulgarien, Griechenland und der Republik Makedonien sind Rückschläge möglich, doch sollte der eingeschlagene Weg dennoch konsequent fortgesetzt werden. Viele historische Vereinbarungen waren zunächst sehr umstritten. Erst viel später haben sie sich als sehr wertvoll erwiesen. Nach meiner Auffassung haben Bulgarien, Griechenland und die Republik Makedonien in den Jahren 2017 und 2018 historische Vereinbarungen getroffen, deren Wert sich erst viel später zeigen wird. Diese Vereinbarungen bilden eine wichtige Basis, um Vertrauen aufzubauen und ein Ende der Kulturstreitigkeiten bezüglich Makedoniens herbeizuführen. Unter sehr viel besseren Rahmenbedingungen in der Zukunft können bestehende strittige Punkte, deren Überwindung heute noch illusorisch sind, wahrscheinlich viel besser gelöst werden. So könnte Griechenland z.B. vielleicht eines Tages erkennen, dass eine geografische Spezifizierung im Staatsnamen der Republik Makedonien nicht mehr erforderlich und die Anerkennung einer ethnischen bzw. slawischen makedonischen Minderheit in Griechenland kein Problem mehr sind. Um diese Ziele erreichen zu können, dürften Umwege auch über schmerzliche Kompromisse viel erfolgsversprechender sein, als auf den bisherigen Standpunkten kompromisslos stehen zu bleiben. Ein Stehenbleiben auf den bisherigen Standpunkten würde nur zu Stillstand in der makedonischen Frage führen und nichts bewirken.

Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (BRD) von deren Gründung im Jahre 1949 bis zur Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 ist ein gutes Beispiel dafür. Die Politik der starken Westintegration der BRD wurde von der damaligen Bundesregierung unter Führung der CDU/CSU von 1949 bis 1969 forciert und von der Opposition unter Führung der SPD bekämpft. Irgendwann kam diese Politik an ihre Grenzen. Von 1969 bis 1982 führte die SPD die Bundesregierung an. Es kam zu einer Öffnung gegenüber dem Osten und aus Sicht der dann oppositionellen CDU/CSU zu einem Tabubruch. Wandel durch Annäherung wurde diese Politik genannt. Es wurde wichtiges Vertrauen aufgebaut und sogar eine Anerkennung der damals noch umstrittenen deutschen Ostgrenze zu Polen (Oder-Neiße-Linie) in Aussicht gestellt. Dies war seinerzeit in Deutschland sehr umstritten, besonders unter den aus dem Osten Geflüchteten und Vertriebenen. Diese Politik wurde dann im Jahr 1982 auch unter einer dann wieder CDU-geführten Bundesregierung fortgeführt. Aufgrund dieser seinerzeit teilweise sehr umstrittenen Politik konnte im Ergebnis die Teilung Deutschlands und von Europa überwunden werden. Heute erkennen die damals in dieser Angelegenheit stark zerstrittenen Parteien CDU, CSU und SPD sowohl die Westintegration der BRD als auch deren Annäherung an den Osten als den richtigen Weg an. Für die Akteure im Kulturstreit um Makedonien könnte dies ein wertvolles Beispiel sein, wie aus einer zuvor hoch umstrittenen Politik ein sehr gutes Ergebnis herauskommen kann.

„Wandel durch Annäherung“ kann auch ein Weg sein, den Kulturstreit um Makedonien zu beenden. Die geschlossenen Verträge ermöglichen diese Annäherung, welche dann mit den in ihnen festgelegten Maßnahmen auch einen Wandel in den betroffenen Gesellschaften bewirken könnte. In einem sind sich alle Parteien einig: Offene Fragen müssen geklärt und der Kulturstreit beendet werden. Die in den Verträgen vereinbarten Maßnahmen, besonders die objektiv-wissenschaftliche Klärung von historischen Sachverhalten und die Umsetzung dieser Klärung in der Bildungs-, Kultur- und Informationspolitik der betroffenen Staaten, sind besonders geeignet alle offenen Fragen zu klären und den Streit zu überwinden.

Am 06. August 2017 hatte ich mein 25-jähriges Beschäftigungsjubiläum mit der makedonischen Frage. Aus diesem Anlass hatte ich die Ergebnisse meiner daraus resultierenden Arbeit in der Abhandlung „Die makedonische Frage“ zusammengefasst. Doch innerhalb des Jahres bis zum meinem 26-jährigen Beschäftigungsjubiläum am 06. August 2018 kam richtig Bewegung zwischen Bulgarien, Griechenland und der Republik Makedonien bezüglich der Klärung dieser makedonischen Frage. Noch werde ich abwarten, doch zu meinem 27-jährigen Beschäftigungsjubiläum und meinem 10-jährigen Jubiläum bei Pelagon am 06. August 2019 möchte ich eine überarbeitete Version meiner Abhandlung zur makedonischen Frage veröffentlichen. Dann hoffe ich, dass ich über das Ende des Kulturstreits um Makedonien und des daraus resultierenden Namensstreits berichten kann.