Das Kosovo gilt aus Sicht Serbiens als Wiege des Serbentums. Seit dem 10. Juni 1999 steht das Kosovo gemäß der Resolution des UN-Sicherheitsrates 1244 unter der Verwaltung der Vereinten Nationen. Zwar ist gemäß dieser Resolution das Kosovo weiterhin völkerrechtlicher Bestandteil der Republik Serbien, doch erklärte sich das Kosovo am 17. Februar 2008 für unabhängig. Diese Unabhängigkeit wird von mehr als der Hälfte der Staaten auf der Welt anerkannt. Nicht darunter sind unter anderem jedoch Serbien, die UN-Vetomächte China und Russland und fünf EU-Mitgliedsstaaten. Dennoch dürfte eine Rückintegration des Kosovos in Serbien unwahrscheinlich sein.

 

Auf vielen praktischen Gebieten haben Serbien und das Kosovo mittlerweile Übereinkünfte erreicht. Offen bleibt der völkerrechtliche Status der früheren serbischen Provinz Kosovo. Das Kosovo verlangt von Serbien die völkerrechtliche Anerkennung, für Serbien ist das Kosovo weiterhin völkerrechtlicher Bestandteil seines Territoriums. Dennoch geht Serbien zumindest faktisch von einem unabhängigen Kosovo aus und hält die Rückintegration für unwahrscheinlich. Zwischen dem kosovarischen Präsidenten Hashim Thaci und dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić wird seit kurzem relativ offen über einen Gebietstausch nachgedacht, auch wenn offiziell nur von einer Grenzbereinigung gesprochen wird. Demnach soll der serbisch besiedelte Nordkosovo an Serbien angeschlossen werden und das Kosovo im Gegenzug albanisch besiedelte Gebiete Serbiens erhalten. Dieses Vorhaben ist sowohl in beiden betroffenen Staaten als auch in der internationalen Gemeinschaft umstritten. Bei Verwirklichung dieses Vorhabens werden aufgrund einer möglichen Signalwirkung auf andere ethnisch umstrittene Balkanregionen Instabilitäten befürchtet, so auch in der Republik Makedonien. Etwa ein Viertel der makedonischen Einwohner sind ethnischer Albaner, welche im Nordwesten der Republik Makedonien leben. Dieses Gebiet grenzt wiederum auch an das Kosovo an.

 

Für September 2018 hat der serbische Präsident Aleksandar Vučić die wichtigste Rede seines Lebens angekündigt. Er möchte dann einen Lösungsvorschlag für das Kosovo unterbreiten. Schon in der Vergangenheit hat er bezüglich des Kosovos schmerzliche Kompromisse angekündigt und darauf hingewiesen, dass das Kosovo bereits verloren sei. Wie weit der Lösungsvorschlag von Vučić gehen wird ist dennoch zurzeit offen. Allerdings sollen bei jeder Lösung des Kosovo-Problems die serbischen Bürgerinnen und Bürger das letzte Wort haben.