Die Existenz einer makedonischen Minderheit in Griechenland wird weiterhin klar von griechischer Seite abgelehnt, wie aus dem Pressebüro des griechischen Ministerpräsidenten am 24. Februar 2019 zu vernehmen war. Dem vorausgegangen war eine mehrseitige Reportage im Internetauftritt des Senders BBC aus dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland. Dieser trägt den Titel: „Griechenlands unsichtbare Minderheit – die makedonischen Slawen“.

Nach diesem Bericht gäbe es in der griechischen Region Makedonien etwa 100.000 slawische Makedonier (Anmerkung: Unabhängige Beobachter gehen von ca. 40.000 bis 50.000 ethnischen bzw. slawischen Makedoniern in Griechenland aus.). Zentrale Person in diesem Bericht war der 92-jährige Herr Fokas, dessen Muttersprache „Makedonisch“ ist und in der Region schon seit Jahrhunderten gesprochen wird. Während der Diktatur von Ioannis Metaxas (1936 – 1941) ist der Gebrauch dieser Sprache verboten worden. Auch danach ist der Gebrauch der makedonischen Sprache in Griechenland mit Repressalien verbunden gewesen, zuletzt besonders in den 90er Jahren, zu Beginn des sogenannten Namensstreits. Daher ist die makedonische Sprache heute in Griechenland dem Untergang geweiht.

Aus Sicht des griechischen Oppositionsführers Kyriakos Mitsotakis (Vorsitzender der Nea Dimokratia) sei die Diskussion ein Beleg dafür, dass das Prespa-Abkommen für Griechenland gefährlich sei. Der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos sagte diesbezüglich, dass das Prespa-Abkommen so eingesetzt werden müsse, dass keine Spur von Irredentismus bliebe. Alles andere würde die europäische Perspektive der Republik Nord-Makedonien behindern.

Der Außenminister der Republik Nord-Makedonien, Nikola Dimitrov, stellte fest, dass die Diskussion um eine makedonische Minderheit eine innere Angelegenheit Griechenlands sei und sich die Republik Nord-Makedonien daher aufgrund der Vereinbarung von Prespa nicht einmischen dürfe. Das brachte dem Außenminister der Republik Nord-Makedonien Kritik von der makedonischen Seite ein. Sei es doch in der makedonischen Verfassung verankert, dass sich die Republik Nord-Makedonien um die Angehörigen ihres Volkes im Ausland kümmern müsse.

Die Haltung von Nikola Dimitrov ist klug und weitsichtig. Im Augenblick würde jede berechtigte Diskussion mit Griechenland um eine makedonische Minderheit zu nichts führen und die Gegner der ausgehandelten Lösung in Griechenland stärken. Vielmehr soll zunächst Vertrauen zwischen Griechenland und der Republik Nord-Makedonien aufgebaut und die bilaterale Freundschaft vertieft werden. Eines Tages kann unter geänderten und geeigneteren Rahmenbedingungen viel besser über die Frage einer makedonischen Minderheit in Griechenland gesprochen werden als es derzeit der Fall ist. Die Zurückhaltung der Republik Nord-Makedonien ist strategisch gut, damit eines Tages in Einvernehmen mit der griechischen Seite die Anerkennung einer makedonischen Minderheit in Griechenland herbeigeführt werden kann.
Link zum BBC-Artikel: https://www.bbc.com/news/stories-47258809