Dokumentation zur albanisch-makedonischen Frage: „Makedonien – Der Krieg, der nicht stattfand“

Die Republik Nord-Makedonien ist ein multiethnischer Staat. Nach einer Volkszählung aus dem Jahre 2002 besteht die Staatsnation der Republik Nord-Makedonien mit ihren 2.022.547 Angehörigen zu 64,2 % aus ethnischen bzw. slawischen Makedoniern, zu 25,2 % aus ethnischen Albanern und zu 10,6 % aus anderen Nationalitäten. Von diesen stellt die türkische Volksgruppe mit einem Anteil von 3,9 % an der Gesamtbevölkerung Nord-Makedoniens den größten Anteil.

Im Mittelpunkt der Dokumentation Makedonien – Der Krieg, der nicht stattfand steht der Nordwesten der Republik (Nord-)Makedonien, wo die Angehörigen der albanischen Gemeinschaft die Bevölkerungsmehrheit stellen. Zwischen Dezember 2000 und August 2001 kam es zu einem bewaffneten Konflikt zwischen den ethnischen Makedoniern und den Angehörigen der albanischen Gemeinschaft, welcher zu einem ethnischen Krieg zu eskalieren drohte. Sowohl durch die Besonnenheit der Vertreter der ethnischen Gemeinschaften in der Republik (Nord-)Makedonien als auch durch das entschlossene Eingreifen der Internationalen Gemeinschaft konnte dieser Krieg verhindert werde. Durch das Rahmenabkommen von Ohrid vom 13. August 2001 wurde der Konflikt beendet und in eine multiethnische, politische Lösung bei Wahrung der territorialen Integrität und Souveränität der Republik (Nord-)Makedonien überführt. 

Schon seit der Unabhängigkeit der Republik (Nord-)Makedonien im Jahr 1991 forderten die Angehörigen der albanischen Gemeinschaft die Anerkennung ihrer Ethnie als zweite konstitutive Volksgruppe neben den ethnischen Makedoniern anstelle der Einstufung als Minderheit. Des Weiteren wurden die Anerkennung des Albanischen als zweite gleichberechtigte Amtssprache neben dem Makedonischen sowie eine kulturelle und territoriale Autonomie angestrebt. Dies wurde von Seiten der ethnisch-makedonischen Mehrheitsbevölkerung in (Nord-)Makedonien zunächst abgelehnt. Es wurde Separatismus und eine Spaltung der Republik Nord-Makedonien befürchtet.

Die Ausgangslage bis 2001 war: An jeder nationalen Regierung der Republik (Nord-)Makedonien war immer auch eine Partei der albanischen Gemeinschaft beteiligt. In den kommunalen Gebietskörperschaften mit entsprechendem Anteil von Angehörigen dieser Gemeinschaft war Albanisch neben dem Makedonischen Amtssprache. Entsprechendes galt auch für andere ethnische Gemeinschaften, wenn sie in einer Gemeinde die Mehrheit stellten. Des Weiteren hatten alle Angehörigen von ethnischen Gemeinschaften Unterricht in ihrer jeweiligen Sprache. Dennoch wurde die Republik (Nord-)Makedonien verfassungsrechtlich als Nationalstaat des makedonischen Volkes (Nation) und alle anderen Ethnien als Nationalitäten (Minderheiten) definiert. Zwar wurde die vollständige Gleichberechtigung der Titularnation und der Nationalitäten verfassungsrechtlich bekräftigt, doch sah die Praxis anders aus. Die Nationalitäten waren gesellschaftlich benachteiligt und nicht ihrem Anteil gemäß im öffentlichen Sektor vertreten. 

Aufgrund der verfassungsrechtlichen, gesetzlichen und tatsächlichen Umsetzung des Rahmenabkommens von Ohrid wird die Republik Makedonien (seit 12. Februar 2019: „Republik Nord-Makedonien“) nun mehr als multiethnischer Staat definiert, dessen Staatsnation aus den ethnischen Gemeinschaften besteht. Die Rechte der ethnischen Gemeinschaften wurden in formeller wie in tatsächlicher Hinsicht ausgebaut und erweitert. Es fand eine Machtteilung unter den ethnischen Gemeinschaften bezüglich der Staatsgewalt statt. Des Weiteren werden die Angehörigen der ethnischen Gemeinschaften ihrem Bevölkerungsanteil gemäß von nun an im öffentlichen Sektor berücksichtigt, ihre kulturellen Rechte ausgebaut und gefördert.

Die Dokumentation zeichnet die Hintergründe des Konflikts zwischen ethnischen bzw. slawischen Makedoniern und Albanern nach und schildert anhand individueller Schicksale die Situation der Bürgerinnen und Bürger Nord-Makedoniens sieben Jahre nach dem Rahmenabkommen. Neben den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen wird auch die kulturelle Vielfalt des multiethnischen Staates gezeigt. Diese ist das Ergebnis einer Jahrhunderte umfassenden Koexistenz von Slawen und anderen Völkern sowie von orthodoxer und islamischer Kultur. Dementsprechend werden Ohrid als eines der frühestens Zentren der slawisch-orthodoxen Kultur und Tetovo als kulturelles Zentrum der albanisch-islamischen Kultur vorgestellt.

Die Dokumentation wurde im Jahre 2008 von pre tv in Kooperation mit dem ORF und 3sat und in Zusammenarbeit mit der Europäische Stabilitätsinitiative und dessen Vorsitzenden Gerald Knaus und unter Regie von Peter Beringer produziert.

„Makedonien – Der Krieg, der nicht stattfand“