Massiver Anstieg der Corona-Infektionen in Nord-Makedonien

In der Republik Nord-Makedonien kam es Anfang Juni 2020 zu einem massiven Anstieg der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus. Alleine am 05. Juni 2020 kam es zu 179 Neuinfektionen. Damit dürften die Maßnahmen der Regierung gegen die Pandemie in Nord-Makedonien nicht gegriffen haben. Daher soll es weitere Ausgangssperren bzw. Phasen mit strikten Ausgangssperren geben, bei denen die Menschen in besonders betroffenen Regionen ihrer Häuser bzw. Wohnungen auch tagsüber nicht verlassen dürfen. Besonders hiervon betroffen wären die Städte Skopje, Tetovo, Kumanovo und Štip. Nachts gilt landesweit eine Ausgangssperre.

Ursache für den Anstieg der Neuinfektionen dürfte das orthodoxe Osterfest am 19. April 2020 gewesen sein. Die Kirchen durfte am 16. und 17. April 2020 öffnen und ihre Zeremonien abhalten. So wurde dabei die Kommunion mit ein und demselben Löffel weitergegeben, ohne Rücksicht auf die Gefahr der Infektionen. Die Kirchen waren nicht bereit ihre jahrhundertealten Traditionen aufzugeben, was aufgrund der Pandemie völlig verantwortungslos war. Auch die mit dem muslimischen Ramadan verbundenen Feierlichkeiten haben zum Anstieg der Infektionen beigetragen.

Die Übergangsregierung der Republik Nord-Makedonien wird von allen wesentlichen Parteien im Parlament getragen, also auch von Parteien der bisherigen Regierung und der bisherigen Opposition. So wird das Innenministerium von einem Angehörigen der VMRO-DPMNE und das Gesundheitsministerium von einem Angehörigen der SDSM geleitet. Die Parteien befinden sich jedoch im Wahlkampf und auch sonst im Streit miteinander. Das schmälert deutlich die Qualität der notwendigen Zusammenarbeit. Streit gibt es auch um den Wahltermin. Die SDSM möchte möglichst bald wählen, während die VMRO-DPMNE noch warten möchte. Letztendlich hofft die SDSM bei einem früheren Wahltermin auf ein besseres Ergebnis, da die Folgen der Krise wohl erst im Herbst richtig spürbar werden. Dementsprechend rechnet die VMRO-DPMNE bei einem späteren Wahltermin davon profitieren zu können. Offen muss jedoch bleiben, ob der Ausnahmezustand am 15. Juni 2020 überhaupt auslaufen kann. Bei einem hohen Niveau der Infektionsrate müsste der Ausnahmezustand wohl verlängert werden, womit sich auch der Wahltermin verschieben würde.