Griechenland konstruktiv, jedoch nicht zielführend!

Dimitris Droutsas

In zahlreichen Medien wird in diesen Tagen das Ende des sog. Namensstreits heraufbeschworen: Griechenland habe sich dazu durchgerungen, einen Namen zu akzeptieren, nämlich „Nord-Mazedonien. Wow, Vielen Dank Athen!

Dabei wird immer wieder der stellv. griechischen Außenministers Droutsas zitiert, welcher den Namen „Nord-Makedonien“ als eine für Griechenland akzeptable Lösung darstellt. Für Griechenland sei dies eine Lösung, nun sei Skopje am Zug.

Mit dieser Aussage würde er gerne Mazedonien, die Republik, unter Druck setzen. Griechenland sei ja konstruktiv, möchte schnellstmöglich eine Lösung finden, damit die „Mazedonier aus Nordmazedonien“ endlich in die EU-Familie aufgenommen werden könnten. Sind es aber immer noch Mazedonier? Erkennt Griechenland die Bürger eines Landes mit dem Namen Nord-Mazedonien als Mazedonier oder als Nordmazedonier an? Welche Sprache sprechen diese Menschen? Mazedonisch oder Nordmazedonisch?

Es wird klar, dass Griechenland mit einer Änderung des Landesnamens ein Exklusivrecht sichern möchte. Denn man kann klar zwischen Mazedonien und Nordmazedonien unterscheiden. Denn, wenn es nach dem Willen der Griechen geht, dann würde man nur den Staatsnamen ändern, nicht aber die Bezeichnung der Bürger und deren Identität, diese würden weiterhin Mazedonier bleiben, die die mazedonische Sprache sprechen.

Herr Droutsas, wann würden Sie dann die mazedonische Minderheit in Griechenland anerkennen? Für Griechenland gibt es ja offiziell keine Mazedonier. Ein Dilemma, dass man mit einem neuen Namen zu lösen versucht. Jedoch ist man einer Lösung sehr fern, solange nicht Griechenland anerkennt, dass es Mazedonier gibt, die nicht griechisch sind.

Im Lösungsansatz (makedonisch-griechisches-projekt.eu) wird beschrieben, dass eine Namensänderung nicht sinnvoll ist, und dass Griechenland auch mit dem Namen Mazedonien leben könnte.

 

Warum ist Athen so stur? Wo soll denn der neue Name verwendet werden? Bilateral? Universell? Als Ersatz für „Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien“ könnte „Republik Nord-Makedonien“ verwendet werden, und auch in den bilateralen Beziehungen zu Griechenland. Damit hätte wohl auch Skopje kein Problem. Man hält sowieso nicht viel von der Meinung Athens, die verachtend das Land als „Skopia“ bezeichnen. Nein, Athen diktiert vor, der neue Name solle universell Verwendung finden. Die Verfassung müsse geändert werden, auch die Identität der Menschen – dies geht zu weit! Damit verstößt Griechenland gegen das Internationale Recht der Selbstbestimmung der Völker. Jedes Land darf sich so nennen, wie es sich nennen möchte. Was Alexander von Mazedonien, oder auch der Große genannt, als Ehre und Erfolg sehen würde, dass ein Land seinen Namen trägt, sehen die Griechen als Bedrohung. Allein diese Sichtweise zeigt die Unterschiede zwischen Mazedonien und Griechenland, bei all den Gemeinsamkeiten die sie haben.