Griechische Karrotten im mazedonischen Salat: Griechenland bietet Geld für einen Kompromiss

Dr. Sam Vaknin

Der aktuelle Beitrag von Sam Vaknin trägt den Titel „Greek Carrots in the Macedonian Salat„. Der Artikel ist auf Englisch und kann unter folgendem Link nachgeschlagen werden. Für alle, die den Beitrag lieber auf Deutsch lesen möchten, haben wir den Text übersetzt:

Griechenland schnürt derzeit ein Paket wirtschaftlicher Zusatzleistungen, die bei irgendeinem Kompromiss im Namensstreit um den Namen Makedonien zum Zuge kommen könnten.

Die Maßnahmen zielen darauf hin, die ramponierten Beziehungen Griechenlands zu den USA wiederherzustellen, in dem Mazedonien als kompromisslos, radikal und irrational dargestellt wird, wenn es die griechischen Angebote ablehnt. [..]

Der Plan tritt in Kraft, wenn Mazedonien den Namen „Republik Nord-Makedonien“ als verfassungsmäßigen Namen annehmen würde (oder eine Variante davon), und die Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zurückzieht. Das Paket wird derzeit abschließend bearbeitet und enthält vorab folgende Elemente:

  1. Griechenland wird finanziell und politisch Mazedoniens Beteiligung in unterschiedlichen Transportprojekten (Korridors) unterstützen
  2. Griechenland wird Ölpipelines nach Mazedonien ausbauen und verlängern.
  3. Griechenland wird Mazedonien mit Kapital im Rahmen von regionalen und EU-Kandidaten-Fonds versorgen (niedrigverzinste Kredite), und Brüssel dazu fordern, diese Mittel schnell freizugeben.
  4. Griechenland wird eigene Erdöl- und Erdgasreserven in Notfällen Mazedonien zur Verfügung stellen, falls es zu Energieengpässen kommen sollte
  5. Griechenland unterzeichnet mit Mazedonien eine Notfall-Stromversorgungsvereinbarung
  6. Griechenland richtet einen „Nord-Makedonien Investment Fund“ ein, der ein Volumen von ca. 100-140 Mio. Euro enthalten soll. Das Geld soll für gemeinsame Projekte zwischen Mazedonien und Griechenland im Bereich des Tourismus, der Agrarwirtschaft, Biotechnology, Finanzsektor, Kriminalitätsbekämpfung, Gesundheitssektor und Höhere Bildung eingesetzt werden. Der Fund soll ebenfalls griechischen Exporteuren und Investoren einen gewissen Schutz vor Risiken bieten.
  7. Griechenland wird schrittweise die Visa-Politik mit Mazedonien ändern. Jährlich sollen 10.000 Arbeitsvisa für Griechenland ausgestellt werden, damit mazedonische Arbeiter in Griechenland arbeiten können. Ebenfalls sollen Studentenvisa ohne Begrenzung ausgegeben werden.

Noch ist unklar, wer diesen Vorschlag der mazedonischen Regierung unterbreiten wird: Matthew Nimetz, der unglückliche und wenig erfolgreiche UN-Vermittler dessen Glaubwürdigkeit zu beiden Staaten angespannt ist, das amerikanische Außenministerium, das diesen Vorschlag als „Amerikanische Initiative“ einreichen könnte und von gnadenvoll von Griechenland akzeptiert werden würde, oder aber Dora Bakoyannis bei ihrem baldigen Besuch in Skopje.

Mazedonien war bisher quasi unsichtbar auf der Liste der Prioritäten des amerikanischen Präsidenten. Obama und Clinton sehen den Balkan als europäisches Problem. Vor dem Hintergrund der Situation im nahen Osten ist aber das letzte, was die Amerikaner brauchen, eine „zweite Front“. Zusätzlich müssen Länder wie Mazedonien oder Israel nun den Preis für ihre Unterstützung der Republikaner, insb. für George Bush zahlen.

Obama wird in Kürze einen neuen Balkangesandten ernennen, eine bekannte und wenig beliebte Person in Mazedonien. Sein neuer Job wird zweierlei Seiten haben: Emotionen in Bosnien unten zu halten, wenn nötig auch mit zeitlich gut abgestimmten und öffentlich dargestellten Verhaftungen und beide Seiten, Mazedonien und Griechenland, zu zwingen, eine Lösung zu akzeptieren, die mit dem oben genannten Plan einhergeht. Die USA wird kein Nein akzeptieren und möchte ihren strengen Zeitplan einhalten, die Namensfrage in der UN zu lösen und Mazedonien zum Jahresende in der NATO zu sehen.

Mazedonien hat wohl keine Möglichkeiten, diesem Ansturm gegenzustehen. Der mazedonische Premier könnte den neuen Präsidenten Gjorge Ivanov als „Opfer“ bei einem Kompromiss einsetzen und damit sich aus der Schlinge ziehen. Dies ist aber vergebens, die Mazedonier sehen (möglicherweise zu unrecht) Ivanov als Marionette von Gruevski an. [..]

Von Sam Vaknin
Author of „Malignant Self Love – Narcissism Revisited“

Quellen:
http://www.analyst-network.com/article.php?art_id=3010

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Sam Vaknin ( http://samvak.tripod.com ) is the author of Malignant Self
Love – Narcissism Revisited and After the Rain – How the West Lost the East.
He served as a columnist for Global Politician, Central Europe Review,
PopMatters, Bellaonline, and eBookWeb, a United Press International (UPI)
Senior Business Correspondent, and the editor of mental health and Central
East Europe categories in The Open Directory and Suite101.

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