Mazedonischer Premier schreibt Kommentar für „DIE WELT“

Für die Welt veröffentlichte der makedonische Ministerpräsident Nikola Gruevski folgenden Beitrag:

Die Nato feiert ihren 60. Geburtstag

von Nikola Gruevski, 31.03.2009

Obwohl Mazedonien alle Bedingungen für eine Nato-Mitgliedschaft erfüllt, stellt sich Griechenland gegen den Beitritt seines Nachbarn. Das Land soll seinen Namen ändern.

Diese Tage wird der 60.Nato-Geburtstag gefeiert. Am 6.April 1949 wurde der Nordatlantikpakt unterzeichnet. Unsere Freunde, die Kroaten und Albaner, dürfen dieser großartigen Allianz beitreten. Wir freuen uns mit ihnen – aber wir Mazedonier sind enttäuscht, dass wir nicht dabei sein dürfen.

Mazedonien gefährdet die Souveränität Griechenlands

Denn Mazedonien erfüllt ebenso wie sie alle Bedingungen für eine Nato-Mitgliedschaft. Wir haben uns unseren Platz im Bündnis sogar härter erarbeitet als andere, etwa durch unsere nachhaltige Unterstützung der Nato in der Kosovo-Krise. Unsere Truppen sind stark engagiert in Afghanistan, wir waren im Irak. Doch auf dem Bukarester Nato-Gipfel 2008 wurde von Griechenland plötzlich ein neues Kriterium für unsere Aufnahme eingeführt: Wir sollen unseren Namen ändern.

Nikola Gruevski

Angeblich sieht Athen in unserem Namen „Republik Mazedonien“ eine unmittelbare Gefahr für seine nationale Souveränität: „Mazedonien“ könne ausschließlich als Name einer griechischen Provinz infrage kommen. Das wäre bestenfalls einen akademischen Disput wert. Doch Griechenland hat deshalb einen mehrjährigen Wirtschaftsboykott gegen uns durchgezogen und boykottiert jetzt unsere Aufnahme in die Nato und die EU.
Dabei hat Griechenland 1995 mit uns ein Abkommen unterzeichnet, dass Athen verpflichtet, unseren Beitritt zu internationalen Organisationen zuzulassen, solange dies unter unserem Übergangsnamen „Frühere jugoslawische Republik Mazedonien“ geschieht.

Griechenland boykottiert Mazedoniens Nato-Beitritt

Doch das soll jetzt nicht mehr gelten: Trotz unseres Engagements für die Nato boykottiert unser Nachbar Griechenland unseren Nato-Beitritt selbst unter diesem Übergangsnamen.
In diesem unglückseligen Namensstreit sind wir zusammen mit dem UN-Unterhändler Matthew Nimetz weiter zu Gesprächen bereit. Aber erpressen lassen wir Mazedonier uns nicht. Wir haben bereits unsere Flagge und unsere Verfassung geändert, um griechischen Sorgen entgegenzukommen. Aber hat eine fremde Macht das Recht, Mazedonien vorzuschreiben, wie es selbst und im Verkehr mit dritten Staaten genannt werden möchte? Das glaube ich nicht.

Ich appelliere deshalb an unsere Nachbarn, dass Griechenland seine feierlichen Versprechen aus dem Interimsabkommen von 1995 hält und nicht länger die Aufnahme Mazedoniens in Nato und EU blockiert. Ich bitte außerdem darum, dass wir unsere Anstrengungen verdoppeln, den Namensstreit durch die UN-Mediation zu lösen.

Quelle:  DIE WELT