Mazedonisches Referendum zum Namensstreit im Mai 2010

„Der Name ist nicht das Hauptproblem, es ist der Rahmen drum herum.“

In Mazedonien würde man sich wohl im Rahmen eines Referendums dazu durchringen, eine Namensänderung zu akzeptieren, der Name könnte vielleicht auch „Nordmazedonien“ sein, und der fast 20 Jahre lange Spuck wäre vorbei. Der provisorische Name, der 1995 im Interims-Abkommen zwischen Mazedonien und Griechenland definiert wurde, wäre damit auch Geschichte!

Nikola Gruevski im TV-Interview des Senders Sitel TV

Das Hauptproblem ist also nicht der Name, sondern die Tatsache, dass Griechenland eigenständig die Inhalte verändert, die in den Verhandlungen besprochen werden. Mazedonien solle den neuen Namen in jeder Verwendung anwenden: Damit würde nicht nur der Staatsname geändert werden, sondern auch der Name der Nation, der Sprache und Identität. Diese Forderung würde wohl niemals in einem Referendum eine Mehrheit finden. Selbst der mazedonische Ministerpräsident Nikola Gruevski hatte in einem TV-Interview am Sonntag öffentlich erklärt, dass er bei solch einem Referendum eher mit NEIN stimmen würde.

In den mazedonisch-griechischen Verhandlungen ist offensichtlich nicht der Name des Landes ein Problem. Was Griechenland mit dem Namensstreit eigentlich erreichen möchte, ist, dass die Mazedonier nicht mehr Mazedonier heißen sollen, dass die Sprache nicht als mazedonisch bezeichnet werden soll, und dass die Identität der Menschen nicht als Mazedonisch deklariert werden darf…

Möglicherweise würde sogar ein neuer Name wie „Nordmazedonien“ durch ein Referendum kommen, nicht jedoch unter den Bedingungen die Griechenland nun stellt und damit die ursprüngliche Namensfrage erweitert.

Gruevski: In einem Referendum für den Namen Nordmazedonien stimme ich mit NEIN

Für den Mai erwartet Gruevski einen neuen Lösungsvorschlag von Matthew Nimetz, welchen er möglicherweise auch als Referendum an die Bürger weiterleiten möchte.

Falls in einem Referendum der Vorschlag „Republik Nordmazedonien“ zur Abstimmung gestellt würde, hat der mazedonische Ministerpräsident Gruevski bereits seine Meinung öffentlich verkündet, er würde mit NEIN stimmen:

„Falls der Namensvorschlag „Republik Nordmazedonien“ zur Wahl steht, und der Name universell verwendet werden soll, und dieser Vorschlag auch vom aktuellen UN-Sondervermittler Matthew Nimetz in der nächsten Verhandlungsrunde auch so präsentiert wird, werde ich diesen Vorschlag auch an die Bürger im Rahmen eines Referendums weiterleiten. Mehr kann ich nicht tun, als solch eine Bevölkerungsbefragung zu organisieren. Falls Sie Interesse an meiner persönlichen Meinung haben, ich werde gegen solch einen Vorschlag stimmen“, so der mazedonische Ministerpräsident. Damit steht der Ministerpräsident aber nicht alleine da. Ca. 65% der Bevölkerung (lt. Einer Umfrage) sind gegen eine Änderung des verfassungsmäßigen Namens, falls damit die Türen für eine NATO- und EU-Mitgliedschaft geöffnet würden.

Eine Namensänderung ist keine Lösung

Dass eine Namensänderung keine Lösung ist, haben wir bereits öfters in zahlreichen Artikel detailliert beschrieben. Eine Namensänderung packt das Problem nicht da an, wo es eigentlich ist. Griechenland muss akzeptieren, dass das heutige Mazedonien, insb. die Republik Mazedonien nicht gleichzusetzen ist mit dem antiken Mazedonien. Griechenland macht stets den Fehler, dass es die Entwicklungen auf dem Balkan, insb. der letzten 150 Jahre ausblendet. In dieser Zeit hat sich eine Mazedonische Nation und Identität entwickelt, die auch weltweit anerkannt ist.

Griechenland steht kurz vor der Staatspleite und hat weiterhin Forderungen!

Griechenland steht auf verlorenem Posten. Nicht nur, dass der Staat kurz vor dem Kollaps ist. Ohne massive internationale Finanzhilfen wird der griechische Staat pleite gehen. Obwohl die deutsche Bundesregierung aktuell Hilfszahlungen in Höhe von ca. 8 Mrd. Euro plant, werden in den nächsten Jahren mehrere hundert Mrd. Euro notwendig sein, um Griechenland zu retten. Sein Staat, der durch Korruption, Schmiergelder und gefälschten Statistiken den Euro gefährdet, zeigt im sog. Namensstreit ein ganz anderes Gesicht. Hier wird gefordert und erpresst. Falls Mazedonien den Namen nicht ändern, wird Griechenland alle Mittel einsetzen, um einen Nato- und EU-Beitritt des kleinen Mazedoniens zu verhindert. Welch Gegensatz.