Mazedoniens Außenminiester Poposki für die WELT: „Wir müssen die Grenzen geschlossen halten“

Ohne die Schließung der Grenze zu Griechenland im März wäre der Schengen-Raum kollabiert, sagt Mazedoniens Außenminister Nikola Poposki. Er fordert die EU auf, die Beitrittsverhandlungen zu beschleunigen. Sein Land habe längst alle Bedingungen erfüllt.

Die Welt: Etwa 700.000 Migranten haben Mazedonien auf der Balkanroute Richtung Nordeuropa durchquert – bis Skopje im März die Grenze zu Griechenland geschlossen hat. Wie ist die Lage an der Grenze jetzt?

Nikola Poposki: Die Situation heute ist nicht vergleichbar mit der Lage vor der Grenzschließung. Vergangenen September kamen täglich 11.000 bis 14.000 Menschen an die Grenze. Es war eine Katastrophe. Zurzeit kommen an schlechten Tagen einige Hundert Menschen. In den meisten Fällen können wir illegale Grenzübertritte verhindern. Wir haben seit Januar etwa 35.000 solcher illegalen Versuche an der Grenze zu Mazedonien registriert.

Erwarten Sie einen Anstieg der Zahlen an der mazedonischen Grenze?

Seit die Schmuggler wissen, dass die Grenze zu Mazedonien sehr gut kontrolliert wird, nehmen viele Flüchtlinge diese Route nicht mehr. Zurzeit nutzen mehr Flüchtlinge die Landgrenze zwischen der Türkei und Griechenland und weiter über Bulgarien Richtung Nordeuropa. Das ist ein Risiko. Wenn die Türkei unter enormen Druck gerät, was passieren könnte durch negative Entwicklungen in Ägypten oder in Syrien, werden die Zahlen hochschnellen. Das ist beunruhigend, aber ein Szenario wie 2015 erwarte ich nicht.

In der Vergangenheit haben sie sich beschwert, dass Griechenland seine Grenze zu Mazedonien besser sichern könnte. Wie sieht es jetzt aus?

Die Zusammenarbeit mit Griechenland hat sich drastisch verändert. Wir haben noch vor einem Jahr überhaupt nicht kooperiert. Die griechischen Behörden haben ihren Erfolg praktisch darin bemessen, wie viele Migranten nach Mazedonien weiterreisen. Nachdem sie realisiert haben, dass unsere Grenzkontrollen dazu beitragen, dass die Zahl der Flüchtlinge nicht weiter ansteigt und sie sich so selbst besser organisieren können, haben sie begonnen zu kooperieren. Jetzt arbeiten unsere Grenzbehörden täglich direkt zusammen und koordinieren ihr Vorgehen.
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