Ex-bosnischer Serbenführer Radovan Karadžić wegen Kriegsverbrechen zu 40 Jahren Haft verurteilt

In zehn von elf Anklagepunkten sprach der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag am 24. März 2016 den ehemaligen politischen Anführer der bosnischen Serben Radovan Karadžić für schuldig. Darunter wegen Völkermord in Srebrenica und wegen der jahrelangen Belagerung der bosnisch-herzegowinischen Hauptstadt Sarajevo. In einem Anklagepunkt erfolgte mangels an Beweisen ein Freispruch. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 40 Jahren. Radovan  Karadžić bezeichnete sich in dem Verfahren als Unschuldig und möchte Berufung gegen das Urteil einlegen. Nach Auffassung des vorsitzenden Richters O-Gon Kwon sei Karadžić strafrechtlich verantwortlich für den Völkermord in Srebrenica.

Aufgrund einer entsprechenden Anordnung vom ehemaligen Präsidenten der Republika Srpska Radovan Karadžić stürmten bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 die UN-Schutzzone Srebrenica. Die bosnisch-serbischen Armeeeinheiten standen seinerzeit unter dem Kommando von Ratko Mladić. Das Verfahren gegen ihn läuft noch vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Bei der Einnahme der UN-Schutzzone wurden etwa 8.000 bosniakische bzw. muslimische Jungen und Männer ermordet. Dieses Kriegsverbrechen wurde von dem Gericht als Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit klassifiziert. Es war das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Für das Gericht war erwiesen, dass der damalige Präsident der bosnischen Serben mitverantwortlich für den Völkermord ist. Insgesamt wurden in dem ethnischen Krieg in Bosnien und Herzegowina von 1992 bis 1995 rund 100.000 Menschen getötet. Nach Aussage von Karadžić könne „keine Übertreibung uns helfen, Verständnis und Frieden unter uns zu errichten“. Des Weiteren vertritt er die Behauptung, dass reguläre Opfer von militärischen Auseinandersetzungen zu den Opfern von Srebrenica gezählt würden. Doch gilt das Massaker von Srebrenica als gesichert, auch wenn vor allem noch unter den serbischen Bosniern versucht wird den Völkermord zu relativieren.

Die Belagerung der bosnisch-herzegowinischen Hauptstadt Sarajevo durch die serbischen Bosnier stellt ebenfalls ein Kriegsverbrechen da. Die Belagerung dauerte 44 Monate an. Von den Bergen um Sarajevo aus nahmen die serbischen Bosnier die Einwohner von Sarajevo unter Beschuss, was rund 16.000 Todesopfer zu Folge hatte. Zwar wurde von Seiten der serbischen Bosnier auch hier der Versuch unternommen, die Getöteten als Opfer von Kampfhandlungen darzustellen. Doch tatsächlich feuerten die serbischen Bosnier gezielt auf nicht-serbische Zivilisten und verübten auch hier Völkermord. Auch hier kam die entsprechende Anordnung von Radovan Karadžić, so dass auch hier folgerichtig ein Schulspruch erfolgte.

Die weiteren Anklagepunkte betrafen unter anderem weitere Morde, Massenvergewaltigungen, ethnische Säuberungen und sonstige Kriegsverbrechen. Nur in einem Anklagepunkt wurde Radovan

Karadžić mangels an Beweisen freigesprochen. Nach Auffassung der Richter gebe es für die sieben Gemeinden Ključ, Sanski Most, Prijedor, Vlasenica, Foča, Zvornik und Bratunac im Osten von Bosnien und Herzegowina keine Beweise dafür, dass ein Völkermord stattgefunden habe.

 

Ausführlichere Hintergrundinformationen:

Bosnien und Herzegowina erklärt seine Unabhängigkeit (03.03.1992)

Das Massaker von Srebrenica / Bosnien und Herzegowina (Juli 1995)