Serbischer Sonderstaatsanwalt Vukčević geht gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher in Serbien vor

Vladimir Vukcevic (Quelle: blic.rs)

Serbische Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina und im Kosovo sind in Serbien noch immer ein sensibles Thema, obgleich ein Umdenken stattfindet und man sich der Verantwortung immer mehr bewusst wird. Der für Kriegsverbrechen zuständige Sonderstaatsanwalt Vladimir Vukčević  hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt serbische Kriegsverbrechen zu ahnden. Damit müssen serbische Kriegsverbrecher verstärkt mit einer Strafverfolgung in Serbien rechnen.

Bereits vor wenige Wochen ordnete der serbische Sonderstaatsanwalt die Untersuchung von möglichen Kriegsverbrechen im Kosovo an, die nach einer Dokumentation des Fonds für humanitäres Recht unter Verantwortung von Serbiens Generalstabschef Ljubiša Diković während  des Krieges im Kosovo begannen worden sein sollen. Dies erregte das Missfallen des serbischen Staatspräsidenten Tomislav Nikolić, der seinem Generalstabschef dann demonstrativ einen Orden verlieh. Doch der serbische Sonderstaatsanwalt ließ sich davon nicht einschüchtern.

Am 18.03.2015 ließ Sonderstaatsanwalt Vukčević  acht Personen unter dem Verdacht festnehmen, am Massaker von Srebrenica / Bosnien und Herzegowina im Juli 1995 beteiligt gewesen zu sein. Bei diesem Massaker wurden je nach Quellen zwischen 6000 und 8000 männliche Bosniaken im Alter zwischen 13 und 78 Jahren durch die bosnischen Serben ermordet. Das Kriegsverbrechen von Srebrenica gilt als Völkermord bzw. Genozid und größtes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der bekannteste in der Gruppe der acht Festgenommenen ist Nedeljko Milidragović, der ehemalige Kommandant einer Sondereinheit der Polizei der „Serbischen Republik in Bosnien und Herzegowina“ („Republika Srpska“).

In Serbien begegnet man dem Thema „Massaker von Srebrenica“ meist mit Schweigen. In der Vergangenheit wurde dieses Verbrechen sogar geleugnet. Mittlerweile findet ein Umdenken statt und immer mehr Serben bekennen sich zur ihrer Verantwortung. Dennoch ist der Völkermord von Srebrenica in Serbien ein schwieriges Thema. Erstmals ist die serbische Sonderstaatsanwaltschaft ohne Druck des „Internationalen Strafgerichtshofes für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien“ tätig geworden. Der Internationalen Strafgerichtshof selbst erhob bisher in zwanzig Fällen Anklage, unter den Angeklagten befinden sich der frühere Präsident der Republika Srpska Radovan Karadžić und der Kommandant der bosnisch-serbischen Armee General Ratko Mladić. Bisher wurden zehn Personen verurteilt: drei zu lebenslanger Haft, sieben zu gesamt 128 Jahren Haft.

Nach Aussage von Sonderstaatsanwalt Vladimir Vukčević habe der serbische Staat mit den Festnahmen Stellung zum Massaker von Srebrenica bezogen. Vor zwei Jahren unterzeichneten Bosnien und Herzegowina und Serbien eine Kooperationsvereinbarung bezüglich der Zusammenarbeit ihrer Staatsanwaltschaften. Auf Grundlage dieser Kooperation haben die Ermittlungsbehörden beider Seiten nun Zugang zu Beweismaterial und Zeugen. Rund 20 Jahre nach dem Ende des Krieges findet jetzt auch eine Verstärkte juristische Aufarbeitung der Kriegsverbrechen in Serbien statt.