Vor 40 Jahren in Griechenland: Der Studentenaufstand am Athener Polytechnikum

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Vom 21.04.1967 bis zum 24.07.1974 herrschte in Griechenland aufgrund eines Putsches des Militärs eine Militärdiktatur. Das Militärregime wurde dieser Zeit auch als „Regime der Obristen“ oder einfach als „Junta“ bezeichnet. Unter der Herrschaft des Militärs kam es zu massiven Verletzungen der Menschen- und Bürgerrechte in Griechenland. Dagegen formierte sich Widerstand aus der Bevölkerung. Einer der Höhepunkte dieses Widerstandes war der Aufstand der Studierenden am Athener Polytechnikum im November 1973.

Studentenproteste vor dem Polytechnikum 1973

Die Studierenden des Polytechnikums in Athen traten am 14.11.1973 gegen die Obristen und ihre Diktatur in den Streik. Sie verbarrikadierten sich auf dem Hochschulgelände und installierten einen Radiosender. Über ihren Radiosender riefen die Studierenden zum Kampf gegen die Militärdiktatur und für die Herstellung der Demokratie in Griechenland auf. Tausende von Arbeiterinnen und Arbeiter und weitere junge Menschen schlossen sich den aufständischen Studierenden an. In den frühen Morgenstunden des 17.11.1973 ließ die Regierung der Obristen zunächst die städtische Beleuchtung abschalten. Anschließend walzte ein Panzer im Schutze der Dunkelheit das Eingangstor zum Hochschulgelände nieder, an das sich zahlreiche Demonstranten geklammert hatten und Soldaten stürmten in Folge das Hochschulgelände. Es kam bei dieser Aktion zu zahlreichen Todesopfern. Unklar ist wie viele Todesopfer es gab, nach einer späteren offiziellen Untersuchung sollen 24 Zivilisten getötet worden sein. Studierende sollen sich nach dieser Untersuchung nicht unter den Opfern befunden haben.

Der Aufstand der Studierenden und der sich ihnen anschließenden Menschen markiert den Beginn vom Ende der Militärdiktatur. Zunächst versuchte der Hardliner der Obristen, Dimitrios Ioannidis, durch Sturz des Obristen-Staatspräsidenten Georgios Papadopoulos die alte Ordnung wiederherzustellen und alle liberalen Strömungen im Regime zu beenden. Der installierte Nachfolger im Präsidentenamt, Phaidon Gizikis, blieb nur noch etwa ein Jahr im Amt. Das Scheitern eines von den Obristen induzierten Militärputsches auf Zypern im Juli 1974, das zur teilweisen Besetzung Zyperns durch das türkische Militär und zur andauernden Teilung der Insel führte, bewirkte am 24.07.1974 das Ende der Militärdiktatur. An diesem Tag kehrte Konstantin Karamanlis aus dem Exil zurück und wurde von Präsident Gizikis mit der Bildung einer demokratischen Regierung beauftragt.

Nachbetrachtung: Die Studierenden und die sich ihnen anschließenden Menschen bewiesen großen Mut. Griechenland ist die Wiege der Demokratie. Für die Demokratie und für die Achtung der Menschen- und Bürgerrechte setzten die Aufständischen ein Zeichen, das nachhaltig Wirkung entfalten sollte. Die Demokratie wurde bereits ein halbes Jahr später wieder in Griechenland eingeführt. Diese Demokratie ist nachhaltig und beweist selbst in der größten griechischen Krise dieser Zeit, der Staats-, Finanz- und Wirtschaftskrise, eine große Stabilität. Noch heute genießen die Hochschulen in Folge des damals gescheiterten Aufstandes einen besonderen Schutz vor der staatlichen Gewalt. Staatliche Sicherheitskräfte dürfen nicht ohne Weiteres das Hochschulgelände betreten, denn es bildet einen besonderen geschützten Bereich zum Andenken und zur Wahrung der Demokratie.