Antonio Milososki im Interview mit der Volksstimme

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Im Interview für die Zeitung Volksstimme sprechen Steffen Honig und der mazedonische Außenminister Antonio Milososki über die aktuelle Situation in Mazedonien.Quelle: Volksstimme

Makedonische Außenminister Antonio Milososki und seine griechische Kollegin Dora Bakoyannis

 

„Wir sind mit der EU verlobt und warten auf den Heiratsantrag“

Die Balkanrepublik Mazedonien, seit 1991 unabhängig, will Mitglied von Europäischer Union und NATO werden. Beides wird noch einige Jahre brauchen. Entscheidendes Hindernis ist der Streit mit dem Nachbarn Griechenland um den Namen der Republik. Über aktuelle Aspekte der Politik Mazedoniens sprach Volksstimme-Redakteur Steffen Honig mit dem Außenminister des Landes, dem Christdemokraten Antonio Milošoski ( 33 ) in der Haupstadt Skopje.

Herr Minister, Sie sprechen ausgezeichnet Deutsch. Wo haben Sie das gelernt?

In Bonn, wo ich am Zentrum für Europäische Integrationsforschung der Universität studiert habe. Thema meiner anschließenden Promotion waren die Beziehungen zwischen Mazedonien und Griechenland.

Womit wir bei einem ihrer gegenwärtigen Hauptarbeitsfelder sind …

… ja, und wir sind enttäuscht, dass Griechenland uns als junge Demokratie in der Namensfrage derart heftig unter Druck setzt. Wir brauchen keine Belehrungen von griechischer Seite. Wir wissen, wie wir heißen : nämlich Mazedonien. Dies zu bestreiten, ist Unsinn.

Sie meinen, Athen sollte sich bewegen ?

Griechenland hat bei der Namensfrage die Europäische Union in Geiselhaft genommen und betreibt uns gegenüber eine Blockadepolitik. Schauen Sie : Auch Slowenien und Kroatien haben ein ungelöstes Grenzproblem, aber deshalb machen beide Seiten nicht komplett dicht. Athen bockiert hingegen nur und entwickelt keine Vision.

Von wem erhoffen Sie sich Unterstützung für Ihre Position ?

Wir brauchen die Hilfe Europas. Die europäische Einigung ist für uns ein Friedensprojekt. Der Westbalkan ist der “ Bauch Europas „. Und er muss vollständig integriert werden, sonst hätte Europa ständig Bauchschmerzen. Gewiss : Die Region ist nicht perfekt, aber kulturell, politisch-historisch und ökonomisch gibt es zur Integration des Westbalkans insgesamt keine Alternative. Wir sind Teil der europäischen Kultur.

Wie könnte Ihrer Meinung nach der Namenskonfikt gelöst werden, der aus mitteleuropäischer Sicht eher irrational erscheint ?

Eine Lösung kann letztlich nur bilateral zwischen Griechenland und Mazedonien gefunden werden. Wir haben zuletzt beim NATO-Gipfel in Bukarest im Frühjahr 2008 positive Signale an Athen gesandt. Als Kompromiss hätten wir uns den Namen “ Republik Mazedonien ( Skopje )“ vorstellen können. Das wurde von den Griechen aber abgelehnt. Im Alltag gibt es übrigens keine Probleme zwischen uns, was etwa Wirtschaft oder Sicherheit anbelangt.

Griechenland argumentiert, dass durch eine Anerkennung Mazedoniens mit dem heutigen Namen ihrerseits Gebietsansprüche gestellt werden könnten … 

Das ist doch lächerlich. Griechenland hat erst 1988 die Provinz “ Nordgriechenland “ in “ Mazedonien “ umbenannt. Nein, Griechenland hat seit Beginn der 1990 er Jahre gegen unsere Unabhängigkeit Front gemacht – immer im Bunde mit Serbien.

Athen betreibt eine altmodische und gefährliche Politik der „reinen Nation“ als Dogma. Dabei leben in Griechenland auch Türken, Albaner – und eben Mazedonier. Deren “ Regenbogen-Partei “ bekennt aber schon im Programm: Wir sind loyale Griechen.

Außerdem beanspruchen die Griechen Alexander den Großen allein für sich. Dieser gehört, wie beispielsweise auch Karl der Große, allen Europäern.

Unabhängig von diesen Streitigkeiten wollen Sie die Entwicklung in Richtung EU-Mitgliedschaft vorantreiben. Versprechen Sie sich einen Schub durch die tschechische Ratspräsidentschaft, die die Erweiterung auf die Agenda gesetzt hat?

Ja, wir hoffen da auf Fortschritte während der tschechischen und auch während der darauffolgenden schwedischen Ratspräsidentschaft. Seit November 2005 hat Mazedonien den EU-Kandidatenstatus, doch die Beitrittsgespräche haben noch immer nicht begonnen. Wir sind mit der EU verlobt und warten jetzt auf den Heiratsantrag, möglichst im kommenden Jahr. Wir jedenfalls sind vorbereitet.

Was wäre für Sie der nächste Schritt auf dem Weg in die EU ?

Wir brauchen dringend Erleichterungen bei EU-Visa für Mazedonier. Wir sind kein Risikoland für Asylbewerber. Mazedonien hofft daher auf eine Visa-Liberalisierung noch 2009. Wenn 70 Prozent unserer Studenten beim Abschluss noch nie ein europäisches Land außerhalb des Balkans gesehen haben, passt das nicht in eine Zeit, in der die Welt durch das Internet zu einem großen Dorf geworden ist.