Märkische Oderzeitung: Kommentarauszug zum Gerichtsurteil zum Namensstreit um Mazedonien: Barbarischer Kronzeuge

Barbarischer Kronzeuge

Frankfurt/Oder (ots) – Man sollte meinen, Griechenland habe genügend existenzielle Sorgen, als sich mit einem Nachbarn um den Namen Mazedonien zu streiten. Aber es ist zu befürchten, dass die Posse die Welt auch nach dem ersten, Athen rügenden Urteil weiter belästigen wird. Offenbar gilt auch dort unverändert, was der Athener Demosthenes vor 2300 Jahren konstatierte: „Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahr haben möchte, hält er auch für wahr.“ Zu seiner Zeit waren alle Nicht-Griechen nur „Barbaren“. Ja, auch die Mazedonier gehörten zu dieser Kategorie. Ihre königliche Familie durfte zwar den Sprössling Alexander (später: der Große) in Olympia starten lassen, aber sonst niemanden aus ihrem Land. Wenn Athen verkündet, „Mazedonien ist unser“, erinnert das an Vertriebenenfunktionäre. Denn auch dieser Anspruch ist historisch schief und aus einer Zeit gefallen, in der Grenzen zu Strichen im Atlas werden.

Quelle: http://www.presseportal.de/pm/55506