„Wir sollten die Republik Mazedonien unterdiesem Namen anerkennen“

Am Wochenende wurde im Deutschlandfunk die Sendung „Tauziehen um Mazedonien“ gesendet, in welcher die aktuelle Situation im Namensstreit zwischen Mazedonien und Griechenland thematisiert und versucht wurde, Ursachen für diesen Streit zu finden.

In mehreren Interviews konnte man heraushören, dass die griechische Bevölkerung durch den griechischen Staat manipuliert wird und die Menschen fast nichts über ihren nördlichen Nachbarn wissen – trotzdem aber strikt darauf beharren, dass es keine Mazedonier seien. Ein anderer Grieche, Vangelis, wird interviewt und zeigt die Fehler der griechischen Betrachtungsweise klar auf. Griechenland blendet das Mittelalter und die Neuzeit in der Gesamtregion Makedonien aus. In dieser Zeit gab es Veränderungen, die auch Griechenland anerkennen müsse, eben unter dem Namen Republik Makedonien.

Vangelis: „Die Geschichte hat eine immense Bedeutung für die Griechen. Aber leider wird Geschichte – wie vielleicht auch in anderen Balkanländern – häufig benutzt, um Ansprüche gegenüber anderen Staaten geltend zu machen. Wir können diesen Missbrauch in allen Bereichen der Gesellschaft finden. Er wird uns schon in der Schule beigebracht, und auch der gesamt öffentliche Diskurs ist dadurch gekennzeichnet.[..]

„Selbst wenn wir denken, dass es Unsinn ist, sollten wir die Republik Mazedonien unter diesem Namen anerkennen. So wie wir jedem das Recht zur Meinungsfreiheit zugestehen, obwohl wir nicht einverstanden sind mit dem, was gesagt wird. Wir sollten jedem, also auch den Mazedoniern, das Recht zur Selbstbestimmung zubilligen, auch wenn wir sehr stark anderer Meinung sind, was den Namen angeht, den sie gewählt haben.“

Es wird der bekannte mazedonische Archäologe, Pasko Kuzman, interviewt. Er stellt klar fest, dass sich die antiken Makedonier von den Hellen unterschieden haben – es sei ein anderes Volk gewesen. “

Auf die Frage hin, warum Mazedonien gerade jetzt den Bezug zu den antiken Makedonier vertieft.

Kuzman: Ich stelle eine Gegenfrage: Warum habt ihr in den 90er Jahren Griechenland nicht gefragt, warum sie ihren Flughafen in Thessaloniki „Makedonia Flughafen“ genannt haben? Warum habt ihr die Griechen nicht gefragt, warum sie eine Philip-Statue in Thessaloniki aufgestellt haben? Warum habt ihr nicht gefragt, warum sie ihre Grenzübergänge mit alten mazedonischen Symbolen schmücken? Immer haben die großen Nachbarn – Sofia, Belgrad, Athen – unsere Geschichte bestimmt. Aber seit 18 Jahren haben wir zum ersten Mal das Recht, unsere Geschichte selbst zu bestimmen. Und wie machen wir das? Durch Fakten und Beweise. Andere haben uns gesagt, dass wir Illyrer sind, oder Griechen oder Bulgaren. Alles, nur keine Mazedonier. Und jetzt wollen wir wirklich wissen, wer wir sind. Deswegen graben wir, um herauszufinden, wer wir sind.

Eine Mitarbeiterin (Anica) von Kuzman stellt ebenfalls klar fest:
„Philip ist weder Hellene, noch hat er etwas mit den Hellenen zu tun. Das erfahren wir sogar von den Griechen selbst! Der griechische Redner Demosthenes war ein Feind von Philip. Und er hat über Philip gesagt, er sei kein echter Hellene, er sei Mazedone aus einem Ort, wo man nicht mal einen Sklaven kaufen würde.“
Kuzman nickt und fügt hinzu: „Alexander hat auf Mazedonisch gesagt: Voran, Mazedonier! Auf Mazedonisch! Das hat er nicht auf Griechisch gesagt. Anders als die Griechen behaupten, hatten die Mazedonier ihre eigene Sprache. Das ist Fakt.
Bewiesen und erforscht.

Im Laufe der Sendung wird noch auf die mazedonische Minderheit in Nordgriechenland eingegangen. Athen weigert sich strikt, diese Minderheit (sowie alle anderen Minderheiten auch) offiziell anzuerkennen und stößt dabei nicht nur bei der UN auf Kritik, sondern auch innerhalb der EU. Schließlich erklärt der orthodoxe Pope Nikodim Carknjas, mit welchen Problemen die ethnischen Makedonier in Nordgriechenland zu leben haben. Würden die Menschen öffentlich dazu stehen, dass sie ethnische Makedonier sind, dann würden sie weder einen Arbeitsplatz, noch sonstwas bekommen. Die Polizei würde sie überwachen und regelmäßig kontrollieren. Dieses Risiko wollen viele nicht eingehen.

Die Sendung kann unter folgendem Link nachgelesen werden:
http://www.dradio.de/download/109231/

Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/gesichtereuropas/1017920/